Barfußschuhe – Laufen ist nicht schnelles Gehen

Vier verschiedene Laufschuhe von verschiedenen Herstellern

Von Links: Nike Free (2004), Adidas Trail-Schuh (ca. 2007), Asics Landreth 7 (2012), New Balance Minimus Trail (2013)

Im Laufe eines Läuferlebens kommen so einige Schuhe an die Füße, je nach Jahr (90ies Reebok PUMP vs. 70er Adidas Samba), nach Einsatzgebiet (Tartanbahn vs. Waldlauf) oder Markenbewusstsein (Nike vs. Saucony). Sportschuhe haben viel mit Ideologie und Mode zu tun; Nike setzte lange nur auf Luftpolster in der Sohle, Asics auf Gel – was besser war und ist, muss jeder selbst entscheiden. Und wo vor 10 Jahren die Dämpfungselemente nicht fett und bunt genug sein konnten, hat sich in den letzten Jahren ein Umdenken durchgesetzt. Nike drückte 2004 den ersten “Free” auf den Markt; ohne Luftblasensohle und komplizierte Nähte. Das Stichwort war “Barfußlauf” – oder natural running.

Der Nike-Free-Urahn von 2004 in rot und weiß

Der Nike-Free-Urahn von 2004 in rot und weiß

Nike Free und eine Ahnung

Tatsächlich hatte ich schon eines der ersten Free-Modelle – parallel zu meinen Stabilschuhen von Asics. Ich hatte die Nike zum Rumlatschen; nicht zum Training. Aber irgendwie schwante mir, dass die schweren Schuhe mit starker Sprengung (Höhenunterschied zwischen Zehen und Ferse)  nicht den natürlichsten Laufstil förderten. Gezwungenermaßen rollte ich damals – und auch noch vor drei Jahren -recht stark über die Ferse ab: Hackenlauf! Häufiger Muskelkater im Schienbein begleitete meine Trainingseinheiten.

Zwei Laufschuhe liegen Sohle an Sohle um deren Dicke vergleichen zu können

Vergleich von Laufschuhen und ihren Sohlen

Im Winter 2005 dann begann ich meine ersten Strecken auf dem Laufband zu machen – an den Füßen die zweite Generation Nike Free 5.0. Auf dem Band hatte ich einen viel leichteren Laufstil, keine Probleme mit dem Schienbein und keine Klötze an den Hacken.
Zeitsprung ins Jahr 2013 – wir überspringen sehr schmerzhafte Probleme mit der Ferse, ausgelöst durch verkürzte Wadenmuskulatur, was vermutlich zurückgeht auf die ständige, leicht nach vorne gekippte Haltung in den gesprengten Laufschuhen, besonders in den wasserdichten Adidas (s. Fotovergleich).

Abkehr von den Stoßdämpfern – das macht der Fuß selbst

Für diese Laufsaison 2013 hat die Sportindustrie einen ganzen Schwung Schuhe herausgebracht, die noch viel radikaler “barfuß” sind, als die Free, die mittlerweile genauso getragen werden von 45-jährigen Sportmuffelmuttis mit rosa Haarsträhne wie scheinbar sämtlichen Ghettokids. Barfußschuhe mit nur wenigen Millimeter dünnen Sohlen, einer Sprengung von null bis vier oder fünf Millimetern. Vor allem in schicken Farben und zu erschwinglichen Preisen. Zeit für mich den Schritt zu machen!

Der New Balance Minimus in der Trail Version

Der New Balance Minimus in der Trail Version

New Balance Minimus Trail 10 BY heißt er, sieht in seinem leuchtenden blau-gelb ganz schick aus und läuft sich wie dicke Socken. Ich habe bewusst für dieses Resümee einige Zeit verstreichen lassen, aber selbst nach vielen Läufen ist meine Begeisterung nicht versiegt. Ich trage den Minimus für Läufe im Wald, Park und im Gelände (am liebsten auf Isartrails) – für die Asphalt- und Betonwege dorthin fahre ich Fahrrad. Eine Stunde Laufen ist wegen des unebenen Bodens so anstrengend wie 1,5h auf der Straße und die Waden müssen sich ganz anders anstrengen, um das Gewicht, den Stoß abzufangen. Aber: Auf einmal macht das Springen auf Hindernisse Spaß, jeder Schritt ist bewusst gesetzt (dicke Steine tun halt weh, wenn man darauf tritt); kurz: Barfußschuhe bringen den Läufer zurück zur Natur. Seiner eigenen, natürlichen Bewegung, denn der Fuß setzt  mehr oder weniger unbewusst mittig oder vorne auf. Und zur kontinuierlichen Auseinandersetzung mit dem Weg mit seinen natürlichen Unebenheiten, Steinen oder Wurzeln.

Was mich begeistert: 
- leichtes Laufgefühl, kaum Gewicht an den Füßen
- verbessertes “Boden-Gefühl”, sicherere Landung (auch beim Springen)
- unbewusste Verbesserung des Laufstils
- erhöhtes Tempo durch verbesserten Stil und die Motivation durch abwechslungsreiche Strecke

natural running-Buch von Dr. Marquardt zwischen Laufschuhen

natural running-Buch von Dr. Marquardt

Laufen ist nicht schnelles Gehen

Um dem ganzen Hochgefühl einen theoretischen Background zu geben, lese ich in den Laufpausen “natural running” von Dr. Matthias Marquardt, dem Verfasser der “Laufbibel”. Sehr zu empfehlen, mit praktischen Trainingstipps, Plänen, Übungen und dem physiologischen Wissen, warum “Laufen kein schnelles Gehen” ist. Allerdings warnt Marquardt auch davor, bei Problemen mit Knien, Gelenken etc. Barfußschuhe uneingeschränkt zu nutzen. Zum einen muss der neue Laufstil (v.a. von Fersenläufern) über Monate in zunächst kleinen Etappen erlernt werden. Zum anderen können sich vorhandene Fehlstellungen (Knickfuß etc.) auch verschlimmern. Genauso ist es: Zum Ende eines Laufes lässt die Konzentration bzw. Kraft nach und ich tendiere wieder dazu auf der Ferse zu landen. Deshalb laufe ich derzeit höchstens eine Stunde mit den Minimus – für die langen Läufe kommen immer noch meine Asics Landreth 7 zum Einsatz; schön gedämpft!

Aus der Reihe “Design Classic”: Das VANMOOF 3

Ein silbernes Rad an einem Radständer mit einem Rahmen von Vanmoof

Das Vanmoof – schönes Rad für die Stadt

Das Vanmoof ist schon so etwas wie ein Designklassiker, den man schon aus 200 Metern erkennt. Das markante durchgezogene Oberrohr, in das vorne und hinten die LED-Lampen (von Philipps)  integriert sind. Wenn man dann davor steht bestätigt der ins Aluminium gravierte Namenszug “VANMOOF“, das dieser einfache Diamantrahmen aus der Amsterdamer Schmiede stammt.

Das in Köln fotografierte Bike dürfte das VANMOOF 3 mit zusätzlicher Frontbremse (49€) sein und laut Hersteller 647 Euro kosten.

Angeboten wird auch eine Version, die auch noch ein im Rahmen integriertes ABUS-Schloss hat: Das VANMOOF 5 für 698 Euro. Der Rahmen ist noch etwas auffälliger, da das Gliederschloss in einer vertikalen Strebe zwischen Ober- und Unterrohr verstaut ist.

Schade Ostern ist schon vorbei …

Transeifel 2013 – mit dem Rad von Düren nach Trier

Naturpark Eifel: hier am Rursee mit Bike und Gepäck

Naturpark Eifel: hier am Rursee mit Bike und Gepäck

Was als Frühlingsauftakt geplant war, ist dann doch eher zu einer grimmen Winterrunde geworden: Meine Tour d’Eifel! In vier Etappen sollte die Eifel von Düren nach Trier mit dem Rad durchquert werden. Mir war klar, dass es wohl bei der derzeitigen Wetterlage keine kurze Hose im Gepäck brauchte. Aber, dass ich sogar akuten Schneefall und – was noch beschwerlicher war – 15cm fluffigen Schnee auf der Weg hatte, hatte ich mir nicht gewünscht. Doch der Reihe nach:

26.3. – Etappe I – Düren nach Monschau; 73 Kilometer (km), 1000 Höhenmeter (hm)

Als glühender Anhänger der selbsterfüllenden Prophezeiungen hatte ich schon in meinem Vorbericht geschrieben, dass ich als Ersatz analoge, oldschoolige, wasserfeste Karten aus Papier mitnehme. In strahlendem Sonnenschein geht es um 10:15 Uhr am Dürener Bahnhof los. Was fehlt, ist die geplante Route auf dem Display meines Dakota 20-GPS. Dabei hatte ich deren Existenz noch am Vorabend überprüft. Nicht lang gefackelt: Navi als aktuelle Lagebestimmung genutzt und den Weg mittels der schönen KOMPASS-Radwanderkarten gelesen. Wir hatten ja früher auch nix…!

Naturpark Eifel: auf den Spuren des Luchs

Naturpark Eifel: auf den Spuren des Luchs

Sehr entspannt rollt es auf meist bretthart gefrorenen Wegen an der kleinen Rur entlang. Nach einer Kehre stehe ich vor einem kleinen Infocenter, das mir den Beginn des Naturparks Eifel erklärt. Viele Tiere sollen meinen Weg kreuzen können – auch der Luchs, der sein Gesicht für das Symbol hergab, das meinen heutigen Weg markiert. Über Nideggen geht es – der Höhenmeter wegen – über Schmidt nach Heimbach an der großen Rurtalsperre, die ich am Südufer umfahre. Am Ende, wo sich der Obersee anschließt, wartet das kleine Dörfchen Einruhr. Von dort geht es dann in deutlich engeren Tälern mit Schneeflecken weiter bis am Ende eine 9%-Steigung nach Monschau führt. Mit Einfahrt in Monschau zeigte der Höhenmesser 1.000, was wohl ziemlich okay für einen ersten Tag ist. Ich freue mich auf eine warme Dusche und Essen.

In Monschau gibt's Fachwerk, Hotels und gutes Bier - aber kaum Menschen

In Monschau gibt’s Fachwerk, Hotels und gutes Bier – aber kaum Menschen

Mein Domizil soll das schmucke Hotel Garni Royal sein, mitten im Ort. Während bei meiner Ankunft gegen vier Uhr noch einige Menschen durch das malerische Dorf tingeln, sieht die Welt um 19 Uhr schon anders aus: Von den zahllosen Restaurants und Cafés haben nur noch eine Handvoll geöffnet, wenige zeigen Publikum und nur Hotel / Restaurant Horchem hat lokales Bier! Rein und genossen! Was hier, in der Bar Alt Montjoie, am Morgen in meinem Hotel und in den kommenden Tagen auffällt, sind die vielen angestellten Gastro-Frauen mit einem osteuropäisch rollenden “R”. Nach dieser recht langen Etappe sollte der nächste Tag eher entspannt werden – dachte ich.

27.3. – Etappe II – Monschau – Kronenburg; 57 km, 820 hm

Nach Monschau geht es heute hoch auf die derzeit sehr windigen Hochflächen der Eifel; immer entlang der belgischen Grenze. Der Start am Morgen ist gut, die Beine machen prima mit und der Kopf freut sich auf unentdeckte Pfade – immer noch ohne eine GPS-Route, aber mit einem annähernd gleichen Weg auf den Karten. Zunächst steige ich schnell nach Kalterherberg, wo der Name Programm ist: Es ist sehr kalt, Schnee liegt hier überall herum. Hinter dem Ort stürze ich mich in die Täler und muss schnell eines feststellen: Hier ist noch Winter!

Winter vorm Lenker

Winter vorm Lenker

Es liegt teilweise knöcheltief weicher, pulvriger und noch jungfräulicher Schnee. Gefreut hätte mich das in den Alpen mit einem Snowboard unterm Arm – stattdessen schiebe ich jetzt mein Rad, weil das weiße Zeug wie Sand rutscht und unglaublich an den Kräften zehrt. Über eine Stunde wandere ich, bis ich wieder eine geräumte Straße erreiche. Immer begleitet von dumpfen Grollen regelmäßiger Explosionen. Der Truppenübungsplatz Elsenborn auf belgischer Seite grüßt martialisch.

Die schöne Oleftalsperre umfahre ich wegen des Schnees und mache kurz Halt in Hellenthal. Auch hier rollt das “R” der Bäckerin. Nach einer recht langen 6%-Steigung nach Udenbreth geht es dann nach Kronenburg am (fast komplett zugefrorenen) Stausee. Das Gasthaus Anno 1826 hat heute Flammkuchen-Abend und schöne, kleine und vor allem warme Zimmer. Aber vor allem bevölkert der wohl lustigste Beerdigungskaffee, den ich erlebt habe, das gesamte Restaurant. Noch um 22 Uhr sitzen mehr als 20 Leute zusammen, trinken, lachen und gedenken sicher nicht nur dem oder der Toten.


28.3. – Etappe III – Kronenburg – Biersdorf am See; 70 km, 760 hm

Der Abend hatte es angekündigt, heute ist die Sonne nicht mehr mit von der Partie und es ist gefühlt noch kälter. Dafür werde ich heute auf die Reste meiner GPS-Route stoßen: Ab Waxweiler erscheint wieder der gewohnt markierte Pfad auf der Darstellung und ich bin gespannt, ob es dann rundgeht. Zunächst aber geht es durch das recht enge und sehr idyllische Wirftal und über einige Kuppen mit zahllosen Windrädern in Richtung Prüm. In dem kleinen Ort mit schöner rosa Kirche steht dann auch der erste DM-Markt – Zahnpasta ist leer und das für diese Saison noch recht jungfräuliche Sitzfleisch zeigt erste Schwächen; Wundcreme soll Linderung schaffen. Leider trübt nun das Wetter ein und der Wind frischt auf.


Ab Prüm geht es entlang einer stillgelegte Bahntrasse, die sich jetzt als ausgebauter Radweg durch die Täler schlängelt. Hier mache ich erst mal ein paar schnelle Kilometer bis Waxweiler, das mich mit hauchzarten Schneeflocken empfängt. Abgesehen von der vorweihnachtlichen Stimmung im Wald, findet mein Dakota endlich die Route wieder! Und so nimmt der Weg eine Kehre und verschwindet alsbald auf einer stillen Straße oberhalb der Prüm, die zu einem engen Forstweg wird und endlich in einen Trail mündet, der so auch am Gardasee sein könnte! Den Eindruck stört allenfalls der nun rege fallende Schnee.
In Mauel erwartet mich ein kleiner Schock: Die einzige Brücke seit etlichen Kilometern ist gesperrt wegen Bauarbeiten… mit Dreck besprenkelt und im Schneetreiben stehend haben die Arbeiter aber Mitleid und lassen mich durch Baugeräte und Rot-Weiß-Band steigen.

Eis - ein treuer Begleiter auf der Tour

Eis – ein treuer Begleiter auf der Tour

Nach einem launigem Abstieg und hinter einem Hügelausläufer weitet sich die Prüm zu einer kleinen Staustufe, dahinter liegt der Bitburger Stausee samt meinem Hotel Berghof. Ein großes Zimmer und eine große Dusche erwarten den müden und sehr schmutzigen Reiter. Leider läuft auch hier der Übernachtungsbetrieb in der Woche vor Ostern offenbar auf absoluter Sparflamme. Somit ist das Essen – und ich habe keine hohen Ansprüche, wenn ich den ganzen Tag nur Wasser und Körnerriegel esse – wirklich auf miesem Autobahnraststättenniveau und der Obstsalat aus der Dose zum Nachtisch gährt tatsächlich schon! Bäh! Zu allem Übel schneit es jetzt in dicken wattigen Flocken.

29.3. – Etappe IV – Biersdorf – Trier; 73 km, 490 hm

Oh Tannenbaum und Fröhliche … es hat schöne 10cm geschneit (s. Datum – WTF?!). Der Weg ist allerdings ab Biersdorf wieder asphaltiert und ich hinterlasse schnittige Spuren im Weiß. Entspannt schlängelt, steigt und fällt der Weg vorbei an Ortschaften mit belustigenden Namen wie Oberbillig, Igel oder Irrel. Irgendwann schmiegt sich die Strecke – vermutlich wieder einer alten Bahnstrecke folgend – an den Fluss Sauer. Er ist wesentlich breiter und von wunderlich grüner Farbe, zudem die natürliche Grenze zu Luxembourg. Man erlebt das ländliche Ambiente der Eifel am schönsten, wenn z.B. mitten im Dorf Gänse den Weg kreuzen.

Achtung: Name!

Achtung: Name!

Nach weiteren Kilometern macht die GPS-Route einen scharfen Knick in die Hügel. Der Entfernung nach sicher der kürzere Weg nach Trier, aber tatsächlich setzen mir die vorherigen drei Tage, die feuchte Kälte allmählich zu und ich entscheide mich für den flachen, aber längeren Weg an der Sauer entlang. Bei Ralingen dann treffe ich wieder auf meine Route und rolle in – ACHTUNG: NAME! – Wasserbilligerbrück ein, wo die Sauer ziemlich im rechten Winkel in die Mosel fließt. Von hier sind es noch 20km bis Trier, immer längs der Mosel, deren Tal immer breiter und öder wird, immer mehr Gegenwind aufbietet und es gefühlt immer kälter werden lässt. Das Elementerde meint es auf dem letzten Stück nicht sehr gut mit mir …

Aber dann wölbt sich die rotbraune Brücke über die Mosel und leitet den stolzen Transeifler und den übrigen Verkehr in die Innenstadt. Ja, Mann! 273 Kilometer und 3070 Höhenmeter liegen hinter mir. Sonnenschein und Schneefall. Schöne Trails und öder Radweg. Wenn ich mir da nicht ein fürstliches Essen verdient habe! Das Restaurant Zur Glocke bietet urige Brauhausatmo und urige Brauprodukte (passenderweise Kraft-Bräu genannt); Trier typischen “Viezpudding” und einen feinen Zwetschgenbrand, dessen Stammhaus ich zuvor auf dem Weg gesehen hatte.

 

 

Roundup:

Diese Transeifel war nicht nur eine schöne, kalte Tour zum Saisonauftakt, sondern auch in gewisser Weise ein Experiment. Schließlich hatte ich bislang mehrtägige Touren nur in Begleitung meiner Freunde gemacht. Was natürlich einen erheblichen Einfluss auf Motivation und Belustigung hat, aber eben auch auf Tempo, Stimmung und Orga. So war ich jetzt völlig auf mich gestellt, an harten Anstiegen und im kalt-nassen Start am Morgen. Was das angeht, ist für mich persönlich die Strecke und das Tagesziel Motivation genug – lustiger ist es mit vielen natürlich schon!

Every day is a winding road ...

Every day is a winding road …

Ich habe diesen Eifelcross auch ein Stück weit als Selbstfindung gemacht und bewusst die Herausforderung dieser Solo-Aktion auskosten wollen. Was mir etwa nach dem dritten Tag auffällt, ist ein verändertes Zeitempfinden. Einerseits scheint der erste Tag mindestens eine Woche her zu sein – ich kann beispielsweise nicht auf Anhieb sagen, welche Orte auf der Strecke lagen. Andererseits vergehen Stunden im Sattel, ohne es zu bemerken. Die Konzentration auf Atem, Beine, Weg und die neue Landschaft, lässt den Tag unbemerkt vergehen. Am Ende der Tour d’Eifel stellt sich dann bei mir eine tiefe innere Ruhe und Ausgeglichenheit ein – genau mein Ziel für diese Solo-Tour.

Rein körperlich lässt sich noch festhalten: Während die Beine nach knapp drei Monaten vermehrten Trainings (Ausdauer und Kraft) schon eine ordentliche Konstitution haben, fehlt mir noch das Sitzfleisch und der Hintern ist nach vier Tagen im Sattel froh über weiche Polstermöbel. Und nach Ostern starte ich – ganz ohne Rad – zum echten Tour d’Eiffel – in Paris und mit zwei „F“.

Die Tour d’Eifel

Biken mit GPS + Karte

Biken mit GPS + Karte

Oh la la! wird sich der frankophile aber nicht ganz so -phone Leser denken: “Der feine Herr macht sich in den Osterferien auf, um den Tour d’Eifell, den Eiffelturm zu besteigen. Mal was anderes, nicht immer nur Berge und Schnee. Stadt der Liebe, les éclairs, savoire vivre …”

Quatsch! Mein schmutziger Plan: 270 km mit dem Rad in 4 oder 5 Etappen von Düren nach Trier, von der Eifel über die Schneifel bis ins beginnende Hunsrück. Nur ich und das Scott Genius, nur ein Rucksack und etwa 3800 Höhenmeter – eine Transeifel, ein Eifelcross oder eben die Tour d’Eifel.

Zum Saisonstart hart ran

Der Frühling lässt auf sich warten, daher muss ein Zeichen gesetzt werden. Egal, wie das Wetter wird, zumindest ist das noch mein fester Wille, reite ich die Strecke ab. Start ist Dienstag früh in Düren, dann an der Rurtalsperre vorbei nach Monschau, wo schon mein erstes Nachtlager ist – nach 70km. Dann geht es weiter über Dahlem-Kronenburg, Biersdorf am See, wo ich jeweils übernachte. Die letzte Etappe halte ich mir noch offen: Entweder fahre ich in einem durch nach Trier (65km) oder unterbreche für Wein, Wurst und Gesang nach 30km im luxemburgischen Echternach. Alles in allem kein gemütlicher Saisonstart. Die letzten Jahre hatte es sich eingebürgert, dass drei Freunde und ich die ersten ausgedehnten Runden auf den Lago Trails hinlegten. Aber dieses Jahr fällt der Lago di Garda aus wegen is’ nich’, also geht es in die Eifel.

GPS und Karte – aus Erfahrung

Die Route stammt aus dem unfassbaren Fundus der gpsies.com, verläuft ursprünglich von Trier nach Düren, aber gleicht sich in der Routenführung in etwa den dort geposteten Einzeletappen in die “richtige” Richtung. Der Track ist eine Aufzeichnung, d.h. wir sehen die tatsächlich gefahrene Route des Autors “Loxi”. Folglich musste sie noch ein wenig geputzt werden, kleine Verfahrer, Abstecher in die Kneipe oder ins Hotel herausgelöscht werden. Wobei “Löschen” ein gutes Stichwort ist. Bei der Alpenüberquerung vergangenes Jahr haben wir die wundervolle Entdeckung gemacht, dass am ersten Tag die von dort an benötigten Kartenteile vom Dakota 20 GPS verschwunden waren…
Daraus gelernt habe ich, dass ich nun entsprechendes Kartenmaterial in wasserfester Ausgabe zusätzlich mitnehme. Kein Mensch möchte zwischen “Gondenbrett” und dem “Forsthaus Schneifel” ohne Orientierung sein – und bleiben.

Mein Schatz ... mein Scott GENIUS 20

Mein Schatz … mein Scott GENIUS 20

Die Kette gereinigt, die Bremsbeläge erneuert und lachhaften 250 Trainingskilometern in den Beinen werde ich mich also am Dienstag in ein weiteres Bikeabenteuer stürzen. Zum ersten Mal allein, zum ersten Mal in der Eifel. Über meine Bewegung am Boden lest ihr dann im Anschluss. Via Twitter wird euch @elementerde Updates zu Position und Konstitution geben.

Rock’n’Roll!

Kölner Winter: Zu hart für Cube Bike?!

Die warmen Sonnenstrahlen strahlen, die Menschen draußen strahlen und die aus dem Winterschlaf geholten Bikes strahlen auch. Nur ein trauriger Biker putzt lustlos an seinem vom Winter schmodderig gewordenen Cube Touring CC. Der Grund: Das Lenkkopflager knirscht als hätte es Arthrose im Endstadium.

War der Kölner Winter zu hart für das gerade einmal 9 Monate alte Cube Trekkingrad? Das Rad hat zwar draußen gestanden, in Schnee, Frost und Regen, aber es ist mein Transportmittel der Wahl an beinahe jedem verdammten Tag, bzw. jeder Nacht, auf dem Weg zwischen Arbeit und Schlaf. Recht gewissenhaft gepflegt mit Kettenöl und Lappen, funktioniert alles wie es soll – bis auf das Lenklager.

Ein Anruf beim Radhaus K, wo ich das Rad gekauft habe, überrascht:

Ich so: Mein Lenklager ist verrostet. 

Er so: Bei nem Cube?

Ich so: Ja?! 

Er so: Ja, das kennen wir… 

Offensichtlich gibt es bei den Lagern öfter das Problem, weil zu wenig Fett darin ist. Ich wittere hier zwar keinen Skandal, aber frage mich dennoch, ob es meine Einstellung gegenüber den deutschen Großmarken bestärkt?! Ich habe verschiedene Marken (Scott, Centurion, Simplon, Cannondale)  im Stall, fahre alle Bikes auch bei den fiesesten Bedingungen und bin kein penibler Putzteufel. ABER bei keinem ist je ein Lager trockengelaufen…

Ein klares Dislike für dieses Tech-Problem! Auch von Seiten der Radhändler, denn die haben den Garantiefall, Arbeit mit dem Austausch der schrottreifen Lager und verdienen nichts – bestenfalls etwas für die Kaffeekasse.

Lady Schauff in Behandlung

Lady Schauff Artikelbild Rahmen

Lady Schauff hat sich schon mal frei gemacht.

Schauff - ein Name mit (Rennrad-) Tradition

Schauff – ein Name mit (Rennrad-) Tradition

Vor einigen Wochen kündigte ich es bereits an: Die alte Lady Schauff, ein etwas in die Jahre gekommenes Rennrad von 1972, soll wieder zu alter Schönheit gelangen. Grundsätzlich ist noch alles dran und gut an ihr, aber es ist der Schmutz der Jahre, der ihr zugesetzt hat. Aber nicht mehr lange, denn ich habe begonnen das Rad auseinander zu zupfen, Unbrauchbares wie Mäntel, Schläuche, Bremsgummis etc. zu entfernen und mich mit Sprühöl, Chrompolitur und neuen Teilen bewaffnet.

Ein ungeliebtes Geschenk?

Schon beim Fund des Rades in einem Stoß teils einfach schrottreifer “Drahtesel”, stellte ich mir die Frage, wer mag Lady Schauff in den vergangenen 41 Jahren besessen haben? Es ist nicht nur der Gedanke daran, welche Hintern schon auf diesem Sattel gesessen haben, sondern auch welche Geschichten dieses Vintagebike schon erlebt haben könnte?!
Bei der Demontage der einzelnen Teile aber drängt sich mir der Verdacht auf: Nur ein erlesener Kreis mag die alte Lady ausgeführt haben. Die Gebrauchsspuren halten sich für ein so altes Rad (der Blogger ist jünger) in engen Grenzen und der angesammelte Schmutz ist nicht schlimmer als bei meinem aktuellen Stadtrad nach 3 Monaten Wintereinsatz. Das kann nur bedeuten, das Schauff-Rad ist gleichsam Scheckheft gepflegt oder über die Jahre ein ungeliebtes – und kaum genutztes – Geschenk gewesen. Gab es ein Rennrad zur Kommunion des kleinen, dicken Peters? Hat Manfred von seiner Frau wohlmeinend ein Sportgerät zum 40. Geburtstag bekommen? Hat Gabi sich nie an die sportliche Haltung auf einem Rennrad gewöhnen können? Auf jeden Fall ist mein Beitrag, dieses Sondermodell zu restaurieren recht gering.

Verschleißteile - sonst nichts neu

Verschleißteile – sonst nichts neu

Verschleißteile und Putzen

Sowohl die Kosten für die neuen Parts, als auch der Aufwand halten sich in Grenzen. Mit Glück konnte ich bei einem Fahrradladen in meiner Straße, der vor der Schließung Ausverkauf machte, noch goldene Zughülsen und Weißwand-Rennradmäntel ergattern – für den original 70ies Look! Jetzt werde ich also in den kommenden Tagen (vielleicht Wochen) nach und nach alle Teile auswechseln, Verbleibendes putzen und polieren und am Ende ein absolut authentisches Retrobike haben. Die ersten Versuche mit Chrompolitur an den blind gewordenen Bremshebeln sind äußerst vielversprechend!
Autopolitur mit Nano-Partikeln (ACHTUNG: Gesundheit?!) wird auch den weinroten Lack wieder zum Strahlen bringen. Nur das verfluchte, bunte Klebeband um den Lenker wird mich Nerven kosten, weil es sich im Laufe der Zeit wohl chemisch-reaktiv mit dem Lenker verbunden hat.

Vorher-nachher: Politur macht Bremse blank

Vorher-nachher: Politur macht Bremse blank

Wie es weitergeht für Lady Schauff, ob ich die völlig verharzte “Huret”-Schaltung retten kann und wie die Partnerin auf das Rad im Wohnzimmer reagiert, erfahrt ihr bald hier!

Und nicht vergessen: Freitag, 22.2., um 17:30 Uhr trifft sich wieder die Critical Mass Köln zur Rundfahrt am Rudolfplatz (Hahnentor).