Critical Mass – Rückeroberung der Straße

Jeden letzten Freitag im Monat!Sie werden abgedrängt von der Straße, parkende Autos blockieren ihre Wege, sie werden geschnitten von hupenden Wagen und sie sind viele Tausende: Radfahrer!

Doch langsam formiert sich Widerstand gegen die Übernahme des Verkehrsraums durch Autofahrer. Ein einzelner Radler hat gegen einen PKW wenig aufzubieten. Aber bei fünf Rädern auf der Fahrbahn schaut der Fahrer verdutzt, bei 10 wundert er sich ernsthaft und bei 15 ist die kritische Masse erreicht – die Biker bilden einen Verband, ganz legal nach §27 der Straßenverkehrsordnung.
“Für geschlossene Verbände gelten die für den gesamten Fahrverkehr einheitlich bestehenden Verkehrsregeln und Anordnungen sinngemäß. Mehr als 15 Radfahrer dürfen einen geschlossenen Verband bilden. Dann dürfen sie zu zweit nebeneinander auf der Fahrbahn fahren” StVO §27 Abs. 1

Diesen kleinen Absatz schätzen die Mitglieder der Bewegung “Critical Mass” am deutschen Recht, denn er ermöglicht ihnen sich als deutlich sichtbaren Teil des Verkehrs darzustellen, anstelle einzeln übersehen zu werden. Sie wollen – zumindest für kurze Zeit – den öffentlichen Raum zurückerobern und ein Zeichen setzen gegen die Benachteiligung des unmotorisierten Verkehrs. Das Motto dieser Bewegung lautet deutschlandweit: “Wir behindern nicht den Verkehr, sondern sind Verkehr!”.

Damit alles seinen geordneten Gang geht – egal, ob Ketten- oder Nabenschaltung – setzt die Bewegung auf Ordnung und Friedfertigkeit. So schreibt Critical Mass Köln: Wie verhält man sich?

-Die Gruppe fährt auf einer Spur.
-Die Gruppe bleibt kompakt und beisammen um durch den motorisierten Verkehr nicht zerrissen zu werden.
-Alles bleibt friedlich und lässt sich durch aggressive Autofahrer nicht provozieren. Der Verkehr wird nicht absichtlich gestört,es geht nicht um Verkehrsbehinderung anderer, sondern darum, sich als unmotorisierter Verkehrsteilnehmer ein Stück öffentlichen Lebensraumes, die Strasse, zumindest zeitweilig zurückzuerobern.
-Das Motto lautet: “Wir behindern nicht den Verkehr, sondern sind Verkehr !“
-Es gibt keinen Organisator oder Anführer, auch wenn die Polizei vielleicht noch so gerne einen hätte.
-Die Geschwindigkeit bleibt moderat, so ca.15 Km/h.
-Jeder der mitfährt ist natürlich für sich selbst verantwortlich.

Am 13. Oktober – und jeden letzten Freitag im Monat – ist es in Köln soweit. Dann treffen sich “organisiert zufällig” – dies ist wichtig um nicht als Demo oder Protest zu gelten – viele hundert Radler für eine vorher nicht festgelegte Strecke und radeln zum Beispiel über den Kölner Innenstadtring. Niemand führt die Rotte an, sie folgt dem, der gerade vorne fährt – oder auch nicht. Vorher und nachher wird diskutiert, sich beratschlagt und verabredet, auf Facebook oder ganz oldschooly mittels Flyer.

Auch in München sammelt sich die Critical Mass auf Facebook, wobei die 493 Freunde wohl noch ein wenig Aufbauarbeit  leisten müssen. Doch wer denkt, die Teilnehmer seien nur Hipster auf Fixies, der täuscht sich. Es wurden auch genügend Trekkingräder mit Taschen und sogar die aussterbende Rasse der Hollandräder gesichtet. Und bis in die TAZ, SZ und zahlreiche Lokalzeitungen hat es diese Bewegung am Boden auch schon geschafft. Sie bewegt sich vor allem in den USA, auch in der Schweiz, stark in Hamburg, ebenso in Frankfurt, Pforzheim oder Bonn. Werde ein Teil und erobere dir die Straße zurück!