Kölner Winter: Zu hart für Cube Bike?!

Die warmen Sonnenstrahlen strahlen, die Menschen draußen strahlen und die aus dem Winterschlaf geholten Bikes strahlen auch. Nur ein trauriger Biker putzt lustlos an seinem vom Winter schmodderig gewordenen Cube Touring CC. Der Grund: Das Lenkkopflager knirscht als hätte es Arthrose im Endstadium.

War der Kölner Winter zu hart für das gerade einmal 9 Monate alte Cube Trekkingrad? Das Rad hat zwar draußen gestanden, in Schnee, Frost und Regen, aber es ist mein Transportmittel der Wahl an beinahe jedem verdammten Tag, bzw. jeder Nacht, auf dem Weg zwischen Arbeit und Schlaf. Recht gewissenhaft gepflegt mit Kettenöl und Lappen, funktioniert alles wie es soll – bis auf das Lenklager.

Ein Anruf beim Radhaus K, wo ich das Rad gekauft habe, überrascht:

Ich so: Mein Lenklager ist verrostet. 

Er so: Bei nem Cube?

Ich so: Ja?! 

Er so: Ja, das kennen wir… 

Offensichtlich gibt es bei den Lagern öfter das Problem, weil zu wenig Fett darin ist. Ich wittere hier zwar keinen Skandal, aber frage mich dennoch, ob es meine Einstellung gegenüber den deutschen Großmarken bestärkt?! Ich habe verschiedene Marken (Scott, Centurion, Simplon, Cannondale)  im Stall, fahre alle Bikes auch bei den fiesesten Bedingungen und bin kein penibler Putzteufel. ABER bei keinem ist je ein Lager trockengelaufen…

Ein klares Dislike für dieses Tech-Problem! Auch von Seiten der Radhändler, denn die haben den Garantiefall, Arbeit mit dem Austausch der schrottreifen Lager und verdienen nichts – bestenfalls etwas für die Kaffeekasse.

Lady Schauff in Behandlung

Lady Schauff Artikelbild Rahmen

Lady Schauff hat sich schon mal frei gemacht.

Schauff - ein Name mit (Rennrad-) Tradition

Schauff – ein Name mit (Rennrad-) Tradition

Vor einigen Wochen kündigte ich es bereits an: Die alte Lady Schauff, ein etwas in die Jahre gekommenes Rennrad von 1972, soll wieder zu alter Schönheit gelangen. Grundsätzlich ist noch alles dran und gut an ihr, aber es ist der Schmutz der Jahre, der ihr zugesetzt hat. Aber nicht mehr lange, denn ich habe begonnen das Rad auseinander zu zupfen, Unbrauchbares wie Mäntel, Schläuche, Bremsgummis etc. zu entfernen und mich mit Sprühöl, Chrompolitur und neuen Teilen bewaffnet.

Ein ungeliebtes Geschenk?

Schon beim Fund des Rades in einem Stoß teils einfach schrottreifer “Drahtesel”, stellte ich mir die Frage, wer mag Lady Schauff in den vergangenen 41 Jahren besessen haben? Es ist nicht nur der Gedanke daran, welche Hintern schon auf diesem Sattel gesessen haben, sondern auch welche Geschichten dieses Vintagebike schon erlebt haben könnte?!
Bei der Demontage der einzelnen Teile aber drängt sich mir der Verdacht auf: Nur ein erlesener Kreis mag die alte Lady ausgeführt haben. Die Gebrauchsspuren halten sich für ein so altes Rad (der Blogger ist jünger) in engen Grenzen und der angesammelte Schmutz ist nicht schlimmer als bei meinem aktuellen Stadtrad nach 3 Monaten Wintereinsatz. Das kann nur bedeuten, das Schauff-Rad ist gleichsam Scheckheft gepflegt oder über die Jahre ein ungeliebtes – und kaum genutztes – Geschenk gewesen. Gab es ein Rennrad zur Kommunion des kleinen, dicken Peters? Hat Manfred von seiner Frau wohlmeinend ein Sportgerät zum 40. Geburtstag bekommen? Hat Gabi sich nie an die sportliche Haltung auf einem Rennrad gewöhnen können? Auf jeden Fall ist mein Beitrag, dieses Sondermodell zu restaurieren recht gering.

Verschleißteile - sonst nichts neu

Verschleißteile – sonst nichts neu

Verschleißteile und Putzen

Sowohl die Kosten für die neuen Parts, als auch der Aufwand halten sich in Grenzen. Mit Glück konnte ich bei einem Fahrradladen in meiner Straße, der vor der Schließung Ausverkauf machte, noch goldene Zughülsen und Weißwand-Rennradmäntel ergattern – für den original 70ies Look! Jetzt werde ich also in den kommenden Tagen (vielleicht Wochen) nach und nach alle Teile auswechseln, Verbleibendes putzen und polieren und am Ende ein absolut authentisches Retrobike haben. Die ersten Versuche mit Chrompolitur an den blind gewordenen Bremshebeln sind äußerst vielversprechend!
Autopolitur mit Nano-Partikeln (ACHTUNG: Gesundheit?!) wird auch den weinroten Lack wieder zum Strahlen bringen. Nur das verfluchte, bunte Klebeband um den Lenker wird mich Nerven kosten, weil es sich im Laufe der Zeit wohl chemisch-reaktiv mit dem Lenker verbunden hat.

Vorher-nachher: Politur macht Bremse blank

Vorher-nachher: Politur macht Bremse blank

Wie es weitergeht für Lady Schauff, ob ich die völlig verharzte “Huret”-Schaltung retten kann und wie die Partnerin auf das Rad im Wohnzimmer reagiert, erfahrt ihr bald hier!

Und nicht vergessen: Freitag, 22.2., um 17:30 Uhr trifft sich wieder die Critical Mass Köln zur Rundfahrt am Rudolfplatz (Hahnentor).

Alte Regel: Nach fest kommt wieder lose

Alte Faustregeln haben sogenannte Vorher-Nachher-Eigenschaften: Vorher kennt man die abgegriffenen Floskeln alle schon, kennt 1oo Beispiele, wo sie nicht zutreffen, und sie nerven, weil man eigentlich immer die Onkels und Opas dieser Welt hinter sich stehen sieht bei dem Versuch, eine kleine goldene Schraube festzuziehen. Nachher hat man sich mehr als einmal – auch physisch – vor die Stirn geschlagen, dankt den Ahnen für ihre Weisheit und schämt sich innerlich, wieder einmal entgegen der klugen Ratschläge (und expliziten Drehmomentangaben von 2 Nm) sich mit zu viel Kraft an die arme kleine Schraube gemacht zu haben. Das Resultat ist ein abgerissenes Gewinde an einer der wichtigsten Stellen des Mountainbikes. Das wunderbar gülden schimmernde, aber jetzt nutzlose Aluteil auf meinem Tisch verbindet die Dämpferwippe am Scott mit den Ausfallenden. Vorbei mit der wahnsinnigen Steifigkeit des Hinterbaus.

Eine Schraube und ihre wichtige Position am Rad

 

Der gelernte Konsum-Reflex “gleich nachbestellen!” verhallte schnell bei der Aussicht, dass nur ein Scott-Komplett-Paket für rund 70 € auch die fehlende Schraube mit sich bringen würde. Auch die Suche in den Werkstatt eigenen Beständen bei Cyclewerx (Danke, Andy!) brachte zwar den langen Teil des Ensembles (linkes Bild, linkes Teil) hervor, aber nicht das verdammte Ersatzteil (linkes Bild, Teil rechts) zum Kontern. Wer hätte im Übrigen gedacht, dass auch das schon 10 € kostet?! Die Wochenendtour schien also an ein paar Millimetern Alu zu scheitern.

Aber die Kunst der Meditation hat die Öffnung des Geistes zum Ziel. Und so saß ich und sann … im Keller vor meinem Werkzeugkästchen. Warum nicht auf den schicken “Torx-Airplane-Look” verzichten und auf handfeste Handwerkeroptik mit Kreuzschraube setzen – zumindest ersatzweise?! Do-it-yourself im reinsten Sinne?! Nun kontert tatsächlich eine übriggebliebene IKEA-Schraube mit einer noch übriggebliebeneren Unterlegscheibe das Konstrukt. Erfolgreich: Rund 100 km wilden Wippens haben wir als Team nun schon hinter uns. Ein Tropfen Schraubenkleber gibt mir die Sicherheit, dass die billig-kostbare Ersatzschraube mich nicht vorzeitig verlässt. DAS ist Custom-Look!