Schneeschuhwandern: Langsam und unaufhaltsam

Wallberg mit Blick ins Tegernseertal

Wallberg mit Blick ins Tegernseertal

Ich kann kein Skifahren. Splitboards sehen scheiße aus. Aber ich möchte Skitouren gehen. Die Schnittmenge aus Wunsch und Wirklichkeit sind Schneeschuhe. Es gibt sie in allen Formen, Ausstattungen und vor allem in jeder Kostenlage bis fast 300 €. Meine Wahl: ATLAS 925.

Warum? Ich hatte schon ein paar Mal Leih-Schuhe aus Plastik von Tubbs. Die sind zwar schön leicht, aber nerven bei langen Touren im Backcountry, weil sie klackern. Jeder Schritt wird begleitet von einem “Klack”, wenn das Fußteil auf den Rahmen trifft. In einer fast vollkommen stillen Umgebung (sonniger Schneehang weit abseits von Skipisten) stört das immens. Also sollte es ein Paar sein aus Alu und “Nytex”, einer Art LKW-Plane. Und das Beste: Der Winterschlussverkauf senkt den Preis von 160 auf 100 €. Für das Geld gibt es sonst nur die Klacker-klacker-Schuhe.

ATLAS 925 Schneeschuhe - kein Klackern und schnell geschnürt. Perfekt für störungsfreie Touren im Tiefschnee

ATLAS 925 Schneeschuhe – kein Klackern und schnell geschnürt. Perfekt für störungsfreie Touren im Tiefschnee

Ausstattung: Highspeedbindung und böse Krallen
Was mich an den Modellen von Atlas am meisten überzeugt hat, ist die sogenannte Wrapp-Trail-Bindung. Man zieht am Riemen, ruckelt noch etwas nach und schon sitzt der Schuhe superfest. Der Fersengurt ist aus Gummi, aber auch bei tiefen Minusgraden bleibt der geschmeidig und hakt einfach ein. Durchdacht sind kleine Halter, die die losen Enden von Gurt und Bindung einfangen. Die 925 sagt im Übrigen nur aus, für wen die Schuhe passen: Menschen zwischen 54 und 91 kg. Für schwerere kommt Modell 930 zum Tragen. Für Mädels gibt es die Elektra-Serie. Apropos Gewicht, die von ATLAS angegebenen 1,91 kg für das Paar 925er, konnte meine Waage nicht verstehen – auf der Anzeige stehen 2,4 kg (ohne Schnee).

Schneeschuhe im Einsatz am Wallberg

Schneeschuhe im Einsatz am Wallberg

Durch die Art, wie die Bindung an den Rahmen befestigt ist (“Free-Rotating-Federung”), geht es sich auf den 925 sehr angenehm, der Rahmen selbst ist vergleichsweise schmal, was das Sich-selbst-auf-die-Füße-Treten nach kurzer Zeit minimiert. Natürlich geht man in Schneeschuhen völlig anders als in Wanderstiefeln: Die Füße müssen höher gehoben , vor allem bergab, und das Gewicht muss bergauf kaum, bergab aber ein ganzes Stück nach hinten verlagert werden. Ein kleiner Muskelkater nach der ersten Tour ist daher nicht auszuschließen. Vor allem aber die Krallen der ATLAS-Schneeschuhe sind mächtig bissig bei Firn und Eis. Man hört es krachen beim Gehen, aber gerutscht wird nicht. Bergauf hat man fast ein Steigeisen-Feeling.

Den Wallberg von der Sonnenseite besteigen
Meine erste Route mit den neuen Schneeschuhen war der Aufstieg zum Wallberg am Tegernsee über den Südhang, Startpunkt der Sutten-Sessellift. Die GPX-Datei fürs Navi gibt es hier – wobei der Auf- und Abstieg als grobe Richtungsvorgabe zu verstehen sind, denn mit den Schneeschuhen kann man eben (fast) überall hoch und wieder runter. Einzig das Gefälle und die eigene Kondition beschränken die Ambition. Nach zwei Stunden Aufstieg mit wenigen bis gar keinen Kontakten steht man auf dem touristisch sehr überlaufenen Wallberg und sieht die Menschen mit Turnschuhen oder Moonboots herumstehen. Ich kann in diesen Momenten nicht ein gewisses Überlegenheitsgefühl verdrängen: Ich bin aus eigener Kraft, abseits der Wege hier hin gekommen – ihr setzt euch in die Wallbergbahn und fahrt hoch und wieder runter. Und wie viel entgeht euch dabei?!

Die Siebli-Fälle in Eis und der Blick auf Roß- und Rotkopf.

Die Siebli-Fälle in Eis und der Blick auf Roß- und Rotkopf.

Nach einem Gipfelmahl nehme ich den Abstieg – mittlerweile schon im Schatten, aber mit Blick auf die immer roter werdenden Gipfel von Roß- und Rotkopf. Nach gut fünf Stunden fasse ich zusammen: Gamaschen sind für den Abstieg ein nützliches Gimmick, weil ich mir doch ordentlich Schnee von hinten gegen die Waden schaufel. Außerdem stelle ich wieder fest, dass Schneeschuhe ihren eigenen Geh-Rhythmus und -Ablauf fordern, aber mich damit auch zu ruhigen Bewegungen zwingen. Es ist wie Wandern, aber anstrengender. Durch die Freiheit, den Weg einfach verlassen zu können, stellt sich aber – zumindest bei mir – noch mehr das Gefühl ein, ein Teil der Natur zu werden. Teil des Elements Erde.

Blick nach Kreuth runter, die Gipfelkapelle auf dem Wallberg, das Tegernseertal mit Dunstschleier und der Rückweg über die Südflanke

Blick nach Kreuth runter, die Wallberg-Gipfelkapelle, das Tegernseertal und der Rückweg über die Südflanke.

Transeifel 2013 – mit dem Rad von Düren nach Trier

Naturpark Eifel: hier am Rursee mit Bike und Gepäck

Naturpark Eifel: hier am Rursee mit Bike und Gepäck

Was als Frühlingsauftakt geplant war, ist dann doch eher zu einer grimmen Winterrunde geworden: Meine Tour d’Eifel! In vier Etappen sollte die Eifel von Düren nach Trier mit dem Rad durchquert werden. Mir war klar, dass es wohl bei der derzeitigen Wetterlage keine kurze Hose im Gepäck brauchte. Aber, dass ich sogar akuten Schneefall und – was noch beschwerlicher war – 15cm fluffigen Schnee auf der Weg hatte, hatte ich mir nicht gewünscht. Doch der Reihe nach:

26.3. – Etappe I – Düren nach Monschau; 73 Kilometer (km), 1000 Höhenmeter (hm)

Als glühender Anhänger der selbsterfüllenden Prophezeiungen hatte ich schon in meinem Vorbericht geschrieben, dass ich als Ersatz analoge, oldschoolige, wasserfeste Karten aus Papier mitnehme. In strahlendem Sonnenschein geht es um 10:15 Uhr am Dürener Bahnhof los. Was fehlt, ist die geplante Route auf dem Display meines Dakota 20-GPS. Dabei hatte ich deren Existenz noch am Vorabend überprüft. Nicht lang gefackelt: Navi als aktuelle Lagebestimmung genutzt und den Weg mittels der schönen KOMPASS-Radwanderkarten gelesen. Wir hatten ja früher auch nix…!

Naturpark Eifel: auf den Spuren des Luchs

Naturpark Eifel: auf den Spuren des Luchs

Sehr entspannt rollt es auf meist bretthart gefrorenen Wegen an der kleinen Rur entlang. Nach einer Kehre stehe ich vor einem kleinen Infocenter, das mir den Beginn des Naturparks Eifel erklärt. Viele Tiere sollen meinen Weg kreuzen können – auch der Luchs, der sein Gesicht für das Symbol hergab, das meinen heutigen Weg markiert. Über Nideggen geht es – der Höhenmeter wegen – über Schmidt nach Heimbach an der großen Rurtalsperre, die ich am Südufer umfahre. Am Ende, wo sich der Obersee anschließt, wartet das kleine Dörfchen Einruhr. Von dort geht es dann in deutlich engeren Tälern mit Schneeflecken weiter bis am Ende eine 9%-Steigung nach Monschau führt. Mit Einfahrt in Monschau zeigte der Höhenmesser 1.000, was wohl ziemlich okay für einen ersten Tag ist. Ich freue mich auf eine warme Dusche und Essen.

In Monschau gibt's Fachwerk, Hotels und gutes Bier - aber kaum Menschen

In Monschau gibt’s Fachwerk, Hotels und gutes Bier – aber kaum Menschen

Mein Domizil soll das schmucke Hotel Garni Royal sein, mitten im Ort. Während bei meiner Ankunft gegen vier Uhr noch einige Menschen durch das malerische Dorf tingeln, sieht die Welt um 19 Uhr schon anders aus: Von den zahllosen Restaurants und Cafés haben nur noch eine Handvoll geöffnet, wenige zeigen Publikum und nur Hotel / Restaurant Horchem hat lokales Bier! Rein und genossen! Was hier, in der Bar Alt Montjoie, am Morgen in meinem Hotel und in den kommenden Tagen auffällt, sind die vielen angestellten Gastro-Frauen mit einem osteuropäisch rollenden “R”. Nach dieser recht langen Etappe sollte der nächste Tag eher entspannt werden – dachte ich.

27.3. – Etappe II – Monschau – Kronenburg; 57 km, 820 hm

Nach Monschau geht es heute hoch auf die derzeit sehr windigen Hochflächen der Eifel; immer entlang der belgischen Grenze. Der Start am Morgen ist gut, die Beine machen prima mit und der Kopf freut sich auf unentdeckte Pfade – immer noch ohne eine GPS-Route, aber mit einem annähernd gleichen Weg auf den Karten. Zunächst steige ich schnell nach Kalterherberg, wo der Name Programm ist: Es ist sehr kalt, Schnee liegt hier überall herum. Hinter dem Ort stürze ich mich in die Täler und muss schnell eines feststellen: Hier ist noch Winter!

Winter vorm Lenker

Winter vorm Lenker

Es liegt teilweise knöcheltief weicher, pulvriger und noch jungfräulicher Schnee. Gefreut hätte mich das in den Alpen mit einem Snowboard unterm Arm – stattdessen schiebe ich jetzt mein Rad, weil das weiße Zeug wie Sand rutscht und unglaublich an den Kräften zehrt. Über eine Stunde wandere ich, bis ich wieder eine geräumte Straße erreiche. Immer begleitet von dumpfen Grollen regelmäßiger Explosionen. Der Truppenübungsplatz Elsenborn auf belgischer Seite grüßt martialisch.

Die schöne Oleftalsperre umfahre ich wegen des Schnees und mache kurz Halt in Hellenthal. Auch hier rollt das “R” der Bäckerin. Nach einer recht langen 6%-Steigung nach Udenbreth geht es dann nach Kronenburg am (fast komplett zugefrorenen) Stausee. Das Gasthaus Anno 1826 hat heute Flammkuchen-Abend und schöne, kleine und vor allem warme Zimmer. Aber vor allem bevölkert der wohl lustigste Beerdigungskaffee, den ich erlebt habe, das gesamte Restaurant. Noch um 22 Uhr sitzen mehr als 20 Leute zusammen, trinken, lachen und gedenken sicher nicht nur dem oder der Toten.


28.3. – Etappe III – Kronenburg – Biersdorf am See; 70 km, 760 hm

Der Abend hatte es angekündigt, heute ist die Sonne nicht mehr mit von der Partie und es ist gefühlt noch kälter. Dafür werde ich heute auf die Reste meiner GPS-Route stoßen: Ab Waxweiler erscheint wieder der gewohnt markierte Pfad auf der Darstellung und ich bin gespannt, ob es dann rundgeht. Zunächst aber geht es durch das recht enge und sehr idyllische Wirftal und über einige Kuppen mit zahllosen Windrädern in Richtung Prüm. In dem kleinen Ort mit schöner rosa Kirche steht dann auch der erste DM-Markt – Zahnpasta ist leer und das für diese Saison noch recht jungfräuliche Sitzfleisch zeigt erste Schwächen; Wundcreme soll Linderung schaffen. Leider trübt nun das Wetter ein und der Wind frischt auf.


Ab Prüm geht es entlang einer stillgelegte Bahntrasse, die sich jetzt als ausgebauter Radweg durch die Täler schlängelt. Hier mache ich erst mal ein paar schnelle Kilometer bis Waxweiler, das mich mit hauchzarten Schneeflocken empfängt. Abgesehen von der vorweihnachtlichen Stimmung im Wald, findet mein Dakota endlich die Route wieder! Und so nimmt der Weg eine Kehre und verschwindet alsbald auf einer stillen Straße oberhalb der Prüm, die zu einem engen Forstweg wird und endlich in einen Trail mündet, der so auch am Gardasee sein könnte! Den Eindruck stört allenfalls der nun rege fallende Schnee.
In Mauel erwartet mich ein kleiner Schock: Die einzige Brücke seit etlichen Kilometern ist gesperrt wegen Bauarbeiten… mit Dreck besprenkelt und im Schneetreiben stehend haben die Arbeiter aber Mitleid und lassen mich durch Baugeräte und Rot-Weiß-Band steigen.

Eis - ein treuer Begleiter auf der Tour

Eis – ein treuer Begleiter auf der Tour

Nach einem launigem Abstieg und hinter einem Hügelausläufer weitet sich die Prüm zu einer kleinen Staustufe, dahinter liegt der Bitburger Stausee samt meinem Hotel Berghof. Ein großes Zimmer und eine große Dusche erwarten den müden und sehr schmutzigen Reiter. Leider läuft auch hier der Übernachtungsbetrieb in der Woche vor Ostern offenbar auf absoluter Sparflamme. Somit ist das Essen – und ich habe keine hohen Ansprüche, wenn ich den ganzen Tag nur Wasser und Körnerriegel esse – wirklich auf miesem Autobahnraststättenniveau und der Obstsalat aus der Dose zum Nachtisch gährt tatsächlich schon! Bäh! Zu allem Übel schneit es jetzt in dicken wattigen Flocken.

29.3. – Etappe IV – Biersdorf – Trier; 73 km, 490 hm

Oh Tannenbaum und Fröhliche … es hat schöne 10cm geschneit (s. Datum – WTF?!). Der Weg ist allerdings ab Biersdorf wieder asphaltiert und ich hinterlasse schnittige Spuren im Weiß. Entspannt schlängelt, steigt und fällt der Weg vorbei an Ortschaften mit belustigenden Namen wie Oberbillig, Igel oder Irrel. Irgendwann schmiegt sich die Strecke – vermutlich wieder einer alten Bahnstrecke folgend – an den Fluss Sauer. Er ist wesentlich breiter und von wunderlich grüner Farbe, zudem die natürliche Grenze zu Luxembourg. Man erlebt das ländliche Ambiente der Eifel am schönsten, wenn z.B. mitten im Dorf Gänse den Weg kreuzen.

Achtung: Name!

Achtung: Name!

Nach weiteren Kilometern macht die GPS-Route einen scharfen Knick in die Hügel. Der Entfernung nach sicher der kürzere Weg nach Trier, aber tatsächlich setzen mir die vorherigen drei Tage, die feuchte Kälte allmählich zu und ich entscheide mich für den flachen, aber längeren Weg an der Sauer entlang. Bei Ralingen dann treffe ich wieder auf meine Route und rolle in – ACHTUNG: NAME! – Wasserbilligerbrück ein, wo die Sauer ziemlich im rechten Winkel in die Mosel fließt. Von hier sind es noch 20km bis Trier, immer längs der Mosel, deren Tal immer breiter und öder wird, immer mehr Gegenwind aufbietet und es gefühlt immer kälter werden lässt. Das Elementerde meint es auf dem letzten Stück nicht sehr gut mit mir …

Aber dann wölbt sich die rotbraune Brücke über die Mosel und leitet den stolzen Transeifler und den übrigen Verkehr in die Innenstadt. Ja, Mann! 273 Kilometer und 3070 Höhenmeter liegen hinter mir. Sonnenschein und Schneefall. Schöne Trails und öder Radweg. Wenn ich mir da nicht ein fürstliches Essen verdient habe! Das Restaurant Zur Glocke bietet urige Brauhausatmo und urige Brauprodukte (passenderweise Kraft-Bräu genannt); Trier typischen “Viezpudding” und einen feinen Zwetschgenbrand, dessen Stammhaus ich zuvor auf dem Weg gesehen hatte.

 

 

Roundup:

Diese Transeifel war nicht nur eine schöne, kalte Tour zum Saisonauftakt, sondern auch in gewisser Weise ein Experiment. Schließlich hatte ich bislang mehrtägige Touren nur in Begleitung meiner Freunde gemacht. Was natürlich einen erheblichen Einfluss auf Motivation und Belustigung hat, aber eben auch auf Tempo, Stimmung und Orga. So war ich jetzt völlig auf mich gestellt, an harten Anstiegen und im kalt-nassen Start am Morgen. Was das angeht, ist für mich persönlich die Strecke und das Tagesziel Motivation genug – lustiger ist es mit vielen natürlich schon!

Every day is a winding road ...

Every day is a winding road …

Ich habe diesen Eifelcross auch ein Stück weit als Selbstfindung gemacht und bewusst die Herausforderung dieser Solo-Aktion auskosten wollen. Was mir etwa nach dem dritten Tag auffällt, ist ein verändertes Zeitempfinden. Einerseits scheint der erste Tag mindestens eine Woche her zu sein – ich kann beispielsweise nicht auf Anhieb sagen, welche Orte auf der Strecke lagen. Andererseits vergehen Stunden im Sattel, ohne es zu bemerken. Die Konzentration auf Atem, Beine, Weg und die neue Landschaft, lässt den Tag unbemerkt vergehen. Am Ende der Tour d’Eifel stellt sich dann bei mir eine tiefe innere Ruhe und Ausgeglichenheit ein – genau mein Ziel für diese Solo-Tour.

Rein körperlich lässt sich noch festhalten: Während die Beine nach knapp drei Monaten vermehrten Trainings (Ausdauer und Kraft) schon eine ordentliche Konstitution haben, fehlt mir noch das Sitzfleisch und der Hintern ist nach vier Tagen im Sattel froh über weiche Polstermöbel. Und nach Ostern starte ich – ganz ohne Rad – zum echten Tour d’Eiffel – in Paris und mit zwei „F“.

Die Tour d’Eifel

Biken mit GPS + Karte

Biken mit GPS + Karte

Oh la la! wird sich der frankophile aber nicht ganz so -phone Leser denken: “Der feine Herr macht sich in den Osterferien auf, um den Tour d’Eifell, den Eiffelturm zu besteigen. Mal was anderes, nicht immer nur Berge und Schnee. Stadt der Liebe, les éclairs, savoire vivre …”

Quatsch! Mein schmutziger Plan: 270 km mit dem Rad in 4 oder 5 Etappen von Düren nach Trier, von der Eifel über die Schneifel bis ins beginnende Hunsrück. Nur ich und das Scott Genius, nur ein Rucksack und etwa 3800 Höhenmeter – eine Transeifel, ein Eifelcross oder eben die Tour d’Eifel.

Zum Saisonstart hart ran

Der Frühling lässt auf sich warten, daher muss ein Zeichen gesetzt werden. Egal, wie das Wetter wird, zumindest ist das noch mein fester Wille, reite ich die Strecke ab. Start ist Dienstag früh in Düren, dann an der Rurtalsperre vorbei nach Monschau, wo schon mein erstes Nachtlager ist – nach 70km. Dann geht es weiter über Dahlem-Kronenburg, Biersdorf am See, wo ich jeweils übernachte. Die letzte Etappe halte ich mir noch offen: Entweder fahre ich in einem durch nach Trier (65km) oder unterbreche für Wein, Wurst und Gesang nach 30km im luxemburgischen Echternach. Alles in allem kein gemütlicher Saisonstart. Die letzten Jahre hatte es sich eingebürgert, dass drei Freunde und ich die ersten ausgedehnten Runden auf den Lago Trails hinlegten. Aber dieses Jahr fällt der Lago di Garda aus wegen is’ nich’, also geht es in die Eifel.

GPS und Karte – aus Erfahrung

Die Route stammt aus dem unfassbaren Fundus der gpsies.com, verläuft ursprünglich von Trier nach Düren, aber gleicht sich in der Routenführung in etwa den dort geposteten Einzeletappen in die “richtige” Richtung. Der Track ist eine Aufzeichnung, d.h. wir sehen die tatsächlich gefahrene Route des Autors “Loxi”. Folglich musste sie noch ein wenig geputzt werden, kleine Verfahrer, Abstecher in die Kneipe oder ins Hotel herausgelöscht werden. Wobei “Löschen” ein gutes Stichwort ist. Bei der Alpenüberquerung vergangenes Jahr haben wir die wundervolle Entdeckung gemacht, dass am ersten Tag die von dort an benötigten Kartenteile vom Dakota 20 GPS verschwunden waren…
Daraus gelernt habe ich, dass ich nun entsprechendes Kartenmaterial in wasserfester Ausgabe zusätzlich mitnehme. Kein Mensch möchte zwischen “Gondenbrett” und dem “Forsthaus Schneifel” ohne Orientierung sein – und bleiben.

Mein Schatz ... mein Scott GENIUS 20

Mein Schatz … mein Scott GENIUS 20

Die Kette gereinigt, die Bremsbeläge erneuert und lachhaften 250 Trainingskilometern in den Beinen werde ich mich also am Dienstag in ein weiteres Bikeabenteuer stürzen. Zum ersten Mal allein, zum ersten Mal in der Eifel. Über meine Bewegung am Boden lest ihr dann im Anschluss. Via Twitter wird euch @elementerde Updates zu Position und Konstitution geben.

Rock’n’Roll!

Goldener Herbst – schön zum Schauen

Das vergangene Wochenende in Zahlen: 20./21.10., 23-17° C, Sonnenuntergang ~18:33 Uhr, 81 km, 1200 hm. Oder kurz gesagt, was für ein wunderschönes Wochenende für zwei Trips mit dem Rad!

Samstag, 20. Okt.: Harte Arbeit im Bergischen Land rund um Lindlar.

Von den Ausgangswerten eine normale Etappe eines Alpencross’, der Mountainbikerundkurs um Lindlar. 65 km lang und 1300 hm schwer sollte das eine feine Tour durch das herbstlich rot-orange-braun gefärbte Bergische sein. Kurze Anreise mit dem Auto aus Köln nach Hohkeppel, ein Dörflein mit Kirche und praktischem Wanderparkplatz in seiner Mitte. Von dort geht es auf ab und an asphaltierten Wegen, zumeist aber über festen Schotter und – auch immer wieder – über richtig schöne Trails; teils quer über Weiden, am Waldrand oder mitten durch den Wald. Und schon nach ein paar Kilometern revidiere ich meinen vormaligen Eindruck der Gegend (“alles grün mit immer gleichen Hügeln”) und stelle fest: Die Tour könnte auch so im Allgäu sein! Teils kräftige Steigungen auf losem Geschotter, unbefestigte Trails mit ordentlichem Gefälle und immer wieder schöne Ausblicke auf die Landschaft. Ich bin vom Start weg begeistert – wieder einmal dank einer auf gpsies.com heruntergeladenen Tour für das GPS-Navi Dakota 20.

Tatsächlich kann man aber eine Alpencrossetappe auch nicht fahren, wenn man sich erst um 15 Uhr auf den Sattel setzt. Das wird mir nach etwa der Hälfte der Tour bewusst, als ich Schloss Gimborn – eine schöne, im Tal gelegene Burg – im Sonnenuntergang zu sehen bekomme. Dank Satelliten gestützter Routenführung muss ich nun kreativ werden – und die Route abkürzen. Das ist zwar über die Straße möglich, erspart mir aber an dem Punkt, an dem ich derzeit stehe (ca. KM 22 von 61), nur etwa 15 km und etwa 200 hm. Besser als nix, ich richte mich also auf dunkle Stunden ein, ohne Stirnlampe. Ein Fehler, den man als alpinerfahrener Radler auch nicht im Bergischen Land machen sollte.  Der Mond, heute irgendwie distanziert zu mir, hilft im Wald auch nicht so recht weiter. Also geht es mit aufgerissenen Augen weiter bis ich die ersten Lichter von Hohkeppel sehen kann und mein Auto mich wieder aufnimmt. Es steht nicht gern in fremden Dörfern im Dunkeln herum…

Am Ende zeigt das Dakota-Navi 52 gefahrene Kilometer, 1100 hm und … 19:12 Uhr an. Eine geile Tour war’s allemal, die ich gern noch einmal fahren werde, dann aber bei Licht. Mein Prädikat “wertvoll” hat sie: MTB Lindlar. Danke an “Spiridon1964″, der die Tour hochgeladen hat.

Sonntag, 21. Okt.: Laues Lüftchen am Rhein – und schon wieder Dunkel

Kurz noch zum Wochenendabschluss. Um meine Beine ein wenig zu regenerieren nach der doch sportlichen Tour am Samstag, drehe ich noch eine Runde am Rhein entlang: Von Kalk zur Mülheimer Brücke, Richtung Norden bis Höhe Stammheimer Schlosspark, dann zurück am Rhein bis hinter die – ich nenne es mal “Westhovener Heide”. Da, wo man nicht durchfahren darf, weil die Armeen der letzten 1000 Jahre ihre Munition, Waffen und Bierdosen hinterlassen haben (sollen) – Achtung, Lebensgefahr?!  Am dortigen Wendepunkt geht dann auch wieder die Sonne unter, was aber dieses Mal weniger tragisch als arkadisch pittoresk war. Den Rückweg nach Kalk finde ich auch mit Schweißerbrille im Nebel. Die kleine Collage unten entstand zu besagtem Zeitpunkt des Sonnenlichtverlassenwerdens. Ein gutes Wochenende mit genügend Bewegung am Boden!

Aus der frühen Periode des Künstlers …

Vor elementerde.de habe ich einige Artikel auf der Online-Publishing-Seite Suite101 veröffentlicht. Abgesehen von der wenig einträglichen Arbeit, ist dies Seite eine schöne Referenz für meine Arbeit, die ich euch hiermit vorstellen möchte.

Im Folgenden drei Artikel die auch zu meinem Blog passen:

Quelle: Covadonga Verlag

Das 2010 auf Deutsch erschienene Buch von Andrew Edwards und Max Leonard bietet einen kurzen Abriss der Geschichte der „Fixies”, also Starrgangrädern mit wunderbaren Bildern. Ich biete in diesem Artikel eine Rezension an, um euch den Mund wässerig zu machen: Für das Buch, Fixies und die Jahrzehnte lange Geschichte hinter dem nun doch fast zu hippen Bike.

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Logo der Cycolonia 2011Die Publikumsmesse Cycolonia (Köln)  zeigt jedes Jahr die neusten Entwicklungen rund ums Fahrrad: 2011 stand sie im Zeichen der Rückbesinnung auf das Wesentliche und die fortschreitende Elektrifizierung der Räder. Und auch 2012 war wieder viel Material am Start – aber vor allem E-Bikes.

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Dem Biken mit GPS-Geräten habe ich schon hier gehuldigt. In diesem Artikel erkläre ich noch ein paar Einzelheiten. An meiner Begeisterung für diese Art des Abenteuers hat sich aber seitdem nichts geändert. Funktionieren übrigens auch gut, um zu prüfen, ob der neue Tacho die richtige Reifengrößeneinstellung hat und somit die richtige Geschwindigkeit, letztlich die korrekte Entfernung anzeigt.

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Zu guter Letzt kommt noch eine Reportage, die im Juni des Jahres für die Radzeitschrift Aktiv Radfahren geschrieben habe. Ich hatte dafür eine sozial-integrative Werkstatt in Köln besucht. Deren Ziel ist es nicht nur, alte und kaputte Räder wieder auf die Straße zu bringen, sondern auch Drogenkranke von der Straße herunter wieder in ein geordnetes Leben. Und das mit großem Erfolg. Hier kannst du den Artikel als pdf laden: Reportage in der “Aktiv Radfahren” über die Radwerkstatt 180°.

Hardreset für Dakota 20

Ein kleiner Beitrag noch zum GPS-Navi Garmin Dakota 20:

Nach zwei Wochen Radtour durch Frankreich ohne jeden Fehler hatte das GPS das Aufspielen der entsprechenden Tracks für den Alpencross nicht verkraftet. Die Probleme begannen mit der Fehlermeldung “Speicher voll”, was aber aufgrund einer blitzblanken Speicherkarte nicht sein konnte. Mit dem Übertreten der deutsch-österreichischen Grenze zeigte das Gerät auch keine Karte mehr an, sondern nur noch die aktuelle Position in Relation zum Track – alles andere fehlte. Eine Katastrophe, wenn man bedenkt, dass noch fünf Tage Tour vor uns lagen und wir eben nicht bei jeder Wegbiegung die Karten zücken wollten bzw. zum Teil keine Karten hatten (dumm!). Auch ein Software-Reset via Laptop beim freundlichen Wirt des Waldhofs in Stanzach brachte keinen Erfolg mehr – den Rest der Alpenüberquerung wickelten wir also analog ab.

Die Lösung brachte dann ein Anruf bei Garmin nach Abschluss der Tour. Zu einem Hardreset bei diesem Gerät gelangt man, indem man während des Startvorgangs den Finger in die linke, obere Ecke des Displays drückt. Das Navi startet dann im Werkszustand – alle Probleme waren gelöscht und gelöst!

Vier-Täler-Tour – mit GPS auf den Trails der Einheimischen

Nach dem Start meines Blogs kommen wir nun also zum ersten Bericht. Seit gut anderthalb Jahren besitze ich eine GPS-Navigation für’s Rad. Abgesehen von kleinen und einem schmerzhaft großen Aussetzer auf dem vergangenen Alpencross, bin ich absoluter Fan meines Garmin Dakota 20: verhältnismäßig günstiger Anschaffungspreis, einfache Bedienung, mit kräftigen Akkus ewig unterwegs und unsagbar praktisch. Bestückt wird das Gerät mit kostenlos downloadbaren Karten von Openmtbmap.org (bitte einmal spenden!) und schier endlos vielen, ebenfalls kostenlosen GPX-Tracks von diversen Seiten im Netz, beispielsweise von Gpsies.com oder Gps-tour.info. Hier stellen Menschen mit GPS-Geräten ihre Tracks, also ihre gespeicherten Routen, ins Netz, mitsamt Höhenprofil, Länge, Beschaffenheit etc. Und das nicht nur für Mountainbikes, sondern genauso für Rennräder, Inlineskates oder Wanderer – insgesamt 32 Auswahlkriterien. Perfekt also für Biker, die neue Wege im eigenen Umfeld ausprobieren wollen. Oder noch besser: Ich besuche einen mir fremden Ort und kann dort gleich die “geheimen” Trails der Einheimischen fahren, ohne mich auskennen zu müssen.
Am vergangenen Samstag haben ein Freund und ich genau das getan. Wir kannten beide noch nicht die Ecke südlich von Ratingen, die aber sehr schön hügelig ist. Wir folgten also der orangenen Linie …

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