Elementerde ist angekommen und hat gleich etwas verloren

Gestohlen, aber nicht vergessen

Gestohlen, aber nicht vergessen

Hallo, Servus, Moin und Tach … aus München.

Nach einer etwas längeren Umbauphase ist Elementerde in München angekommen. Ich wohne, arbeite, laufe und radle jetzt hier … und schreibe wieder meinen Blog! Alles ist neu: Neue Stelle, neue Kollegen, neue Wohnung, neue Stadt … aber halt! Aus München bin ich erst vor etwas mehr als drei Jahren weggezogen und so viel hat sich nicht verändert. Ich bin also froh, jetzt meinen Posts ein #münchen beisetzen zu können. Tschööö @köln! Und ich freu mich euch wieder mit Geschichten aus meinem natürlichem Habitat erzählen zu können; aus dem Element Erde, das sich eben jetzt in Bayern befindet.

Aber oh weh! So viel habe ich zwar jetzt an Berg, Fluss und Stadt dazugewonnen, aber gerade vergangenen Woche stand ich mit Schock geweitetem Mund im Keller und starrte auf den Platz, wo ein paar Tage zuvor noch mein geliebtes Scott Genius 20 stand. Böse, bitterböse Menschen … nein WiXXXer habe das Rad aus dem Keller, aus einem Verschlag geholt, dabei das Fahrradschloss geknackt ohne Dreck zu machen und NUR das Scott mitgenommen!

Nachfolgend stand eine Polizeistreife bei mir vor der Türe, um den Fall aufzunehmen. Als regelmäßiger Tatort-Zuschauer an das Procedere gewohnt, habe ich alle Fragen routiniert beantwortet, die Beamten mit Fakten zum Rad überschüttet. Als dann der Satz fiel “Dann ruf jetzt mal die Spusi an!” hoffte ich insgeheim, dass gleich auch noch Batic und Leitmayr zu Besuch kommen.

Die Dame von der Spurensicherung hat mir dann noch ein paar interessante Facts verraten:

1) In München gibt es eigentlich nur drei Modelle für Kellerabteile.
2) Das Metall unseres Modells ist extrem günstig für Diebe, weil kaum Fingerabdrücke zurückbleiben.
3) Besonders beruhigend: Wenn nur eins und gleich das beste Rad gestohlen wurde, kann man von gezielter Beobachtung ausgehen…

Die Aufklärungschancen bei Fahrraddiebstahl sind bekanntlich gering, oft gehen die Bikes sofort ins Ausland. Ich verabschiede mich also bei meinem treuen Freund Scotty, mit dem ich drei große Touren (eine mehrtägige Tour durchs Allgäu, den letzten AlpenX und die Tour d’Eifel) gemacht habe und noch einige 1000 Kilometer an Rhein, Isar, Königsforst, Tegernsee und im Bergischen Land zurück gelegt habe…  es war hart, aber wir sind immer angekommen! Danke.

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Und weil ich nicht ohne (m)eine heiße Maschine sein kann, habe ich schon meine Fühler ausgestreckt und da ‘was Feines am Tegernsee entdeckt. Zeitlich kam der Raub meines Rades dann zumindest passend zum Herbstverkauf vieler Hersteller… und was ist ein besserer Motivator für die kalten Herbst- und Winterrunden mit dem Bike als ein neues?! :-)

 

 

Ein Wintertag in München

Minga Oida (umgspr. bayr. für München, mein Freund!)

Minga Oida (umgspr. bayer. für “München, mein Freund!”)

Manchmal gibt es so Tage – es regnet, schneit, es ist grau und kalt – da reicht dir schon der Winter, obwohl wir noch nicht einmal Weihnachten haben …

Und dann kommt so ein wunderschöner, klarer Wintertag und es zieht dich mit aller Macht nach draußen! Was kann man nicht alles erleben?! Direkt vor der Haustüre: In meinem Fall direkt an der Münchner Isar.

Zunächst einmal übte ich mich in Bewegung am Boden und wanderte die geliebten Gestade dieses Flusses entlang. In Nähe des Hellabrunner Zoos haben die Natur und fleißige Maschinen der Stadt München der Isar wieder ein naturnahes Bett gegeben und viele dicke, helle Steine zieren ihren Lauf. Der sogenannte Flaucher ist im Sommer Grillrauch schwanger und maßlos überbevölkert – jetzt im Winter aber eine der schönsten Ecken der Isar auf Münchner Stadtgebiet.
Gerade die dicken Brocken im niedrigen Wasser haben es mir angetan. Man kann so an vielen Stellen die Inseln im Fluss erreichen und einen schönen, weil unüblichen, Blick die Isar entlang werfen. An diesem Samstag schien das Wasser so einladend klar und gemächlich. Ein Schritt später – zuvor vom sicheren Brocken auf den nächsten, etwas wackeligen vortastend – steht das arschkalte Wasser mir nicht nur bis zum Rand in den Schuhen, sondern auch bis über die beide Knie. Ungeschickte Bewegung am Boden – eiskalt gerächt.

Stille Wasser sind tief - und arschkalt

Stille Wasser sind tief – und arschkalt

Nachdem der Großteil Isar wieder meinen Wanderstiefeln entflossen ist, wird die Wanderung fortgesetzt. Es gilt die U-Bahnstation Thalkirchen zu erreichen. Ich halte mich jetzt an die festen Ufer, die allerdings an einer Stelle fest von diversem Geflügel besetzt sind: Schwäne, Enten, Gänse, Möwen und Raben paradieren hier als ginge es hier um den Recall bei DSDS oder gar GNTM. Eine weitere Parallele zu Heidis Mager-Mädchen: Die Vogeltiere sind zutraulich, gieren nach Aufmerksamkeit und sind spitz auf jedes Bröckchen Essen. Lässt man sich auf ihr Niveau herunter – ich spreche nun wieder von den Tieren – agiert quasi auf Augenhöhe, dann kommen zumindest Schwäne und Gänse bis auf Armlänge an dich heran. Oder noch näher, was mit einem heimtückischen Angriff von unten eingeleitet wird.

Schwanalarm

Alter …                           hau ab, Mensch, oder ich …                      fresse dich!

Mensch und Maschine sind wohlbehalten zurückgekehrt, Füße kalt, aber mit dem guten Gefühl, diesen Wintertag am Flaucher sehr schön erlebt zu haben.

Critical Mass – Rückeroberung der Straße

Jeden letzten Freitag im Monat!Sie werden abgedrängt von der Straße, parkende Autos blockieren ihre Wege, sie werden geschnitten von hupenden Wagen und sie sind viele Tausende: Radfahrer!

Doch langsam formiert sich Widerstand gegen die Übernahme des Verkehrsraums durch Autofahrer. Ein einzelner Radler hat gegen einen PKW wenig aufzubieten. Aber bei fünf Rädern auf der Fahrbahn schaut der Fahrer verdutzt, bei 10 wundert er sich ernsthaft und bei 15 ist die kritische Masse erreicht – die Biker bilden einen Verband, ganz legal nach §27 der Straßenverkehrsordnung.
“Für geschlossene Verbände gelten die für den gesamten Fahrverkehr einheitlich bestehenden Verkehrsregeln und Anordnungen sinngemäß. Mehr als 15 Radfahrer dürfen einen geschlossenen Verband bilden. Dann dürfen sie zu zweit nebeneinander auf der Fahrbahn fahren” StVO §27 Abs. 1

Diesen kleinen Absatz schätzen die Mitglieder der Bewegung “Critical Mass” am deutschen Recht, denn er ermöglicht ihnen sich als deutlich sichtbaren Teil des Verkehrs darzustellen, anstelle einzeln übersehen zu werden. Sie wollen – zumindest für kurze Zeit – den öffentlichen Raum zurückerobern und ein Zeichen setzen gegen die Benachteiligung des unmotorisierten Verkehrs. Das Motto dieser Bewegung lautet deutschlandweit: “Wir behindern nicht den Verkehr, sondern sind Verkehr!”.

Damit alles seinen geordneten Gang geht – egal, ob Ketten- oder Nabenschaltung – setzt die Bewegung auf Ordnung und Friedfertigkeit. So schreibt Critical Mass Köln: Wie verhält man sich?

-Die Gruppe fährt auf einer Spur.
-Die Gruppe bleibt kompakt und beisammen um durch den motorisierten Verkehr nicht zerrissen zu werden.
-Alles bleibt friedlich und lässt sich durch aggressive Autofahrer nicht provozieren. Der Verkehr wird nicht absichtlich gestört,es geht nicht um Verkehrsbehinderung anderer, sondern darum, sich als unmotorisierter Verkehrsteilnehmer ein Stück öffentlichen Lebensraumes, die Strasse, zumindest zeitweilig zurückzuerobern.
-Das Motto lautet: “Wir behindern nicht den Verkehr, sondern sind Verkehr !“
-Es gibt keinen Organisator oder Anführer, auch wenn die Polizei vielleicht noch so gerne einen hätte.
-Die Geschwindigkeit bleibt moderat, so ca.15 Km/h.
-Jeder der mitfährt ist natürlich für sich selbst verantwortlich.

Am 13. Oktober – und jeden letzten Freitag im Monat – ist es in Köln soweit. Dann treffen sich “organisiert zufällig” – dies ist wichtig um nicht als Demo oder Protest zu gelten – viele hundert Radler für eine vorher nicht festgelegte Strecke und radeln zum Beispiel über den Kölner Innenstadtring. Niemand führt die Rotte an, sie folgt dem, der gerade vorne fährt – oder auch nicht. Vorher und nachher wird diskutiert, sich beratschlagt und verabredet, auf Facebook oder ganz oldschooly mittels Flyer.

Auch in München sammelt sich die Critical Mass auf Facebook, wobei die 493 Freunde wohl noch ein wenig Aufbauarbeit  leisten müssen. Doch wer denkt, die Teilnehmer seien nur Hipster auf Fixies, der täuscht sich. Es wurden auch genügend Trekkingräder mit Taschen und sogar die aussterbende Rasse der Hollandräder gesichtet. Und bis in die TAZ, SZ und zahlreiche Lokalzeitungen hat es diese Bewegung am Boden auch schon geschafft. Sie bewegt sich vor allem in den USA, auch in der Schweiz, stark in Hamburg, ebenso in Frankfurt, Pforzheim oder Bonn. Werde ein Teil und erobere dir die Straße zurück!

 

Mobiles Urban-Knitting

Urban-Knitting: Nicht nur Unikat, sondern auch Schutz vor Schloss-Kratzern am Oberrohr .

Abgesehen davon, dass ich meinen Namen “Strucken” anderen Menschen mit “Wie Stricken mit U” erkläre, ist die traditionelle Handarbeit mit Wolle und Nadeln auch wieder ganz schön hip. Okay, anders als in den 8Oern, als die Grünen strickend im Bundestag saßen. Anders als Omma das früher gemacht hat. Menschen stricken jetzt auch für die Öffentlichkeit: Urban Knitting. Bäume, Laternen oder Brückengeländer bekommen von München über Amsterdam bis nach Basel und Lissabon schöne, bunte und wollige Überzieher. Das ganze als handwerklicher Akt des zivilen Ungehorsams – an der Grenze der Legalität. Ziel ist, die Plätze, Brunnen, Straßenschilder oder Begrenzungspoller zu verschönern und aus ihrer Uniformität zu holen.

Ein großer Spaß, der auch vor meinem Radl nicht Halt gemacht hat! Na gut, es kam weniger überraschend als für manch einen Passanten, der statt des bezettelten Laternenpfahls am nächsten Morgen einen kunterbunt Bestrickten sieht. Wo immer meine Freundin und ich solche Guerilla-Strickobjekte gesehen haben, waren wir begeistert. Zudem strickt sie ebenfalls für ihr Leben gern – egal, ob Bahn, Bar oder Bezirksausschuss! Also haben wir nun ein Zeichen gesetzt, und Judith umstrickte mein Stadtrad – das noch recht unbekannte Mobile Urban-Knitting, kurz MUK!

Bike-Knitting, oder Radl-Stricken, an meinem Stadtrad

Das erinnert zwar an die alten Schaumstoff-Schützer beim BMX-Rad oder die gehäkelte Klorollenhülle auf der Hutablage im Benz, aber ich bin hiermit sowas von URBAN – ist ja schließlich auch mein “Urban-Cycle”. Und das ganz im Sinne der Strickbewegung, aber völlig legal und straffrei. Like that and do it, too!  :-)

Wer mehr wunderbare Bilder von bestrickter Öffentlichkeit sehen möchte, bitteschön!

Neue Rowdyradlerwege für’s Land?!

Der Radl-Traum: Der Radweg ist die die StraßeUnser Mindestverkehrsminister Ramsauer hatte einen tollen Einfall zum Ende der Radlsaison: Deutschland soll seine Radwege ausbauen und fördern. Und alle so YEAH. Aber wir wären nicht im Land der Verzichter und Kränker, wenn der Minister nicht auch den Finger erhoben hätte und die Radfahrer gleichwohl in ihre Schranken gewiesen hätte: Rowdyradler, Radlrambos und sonstige Dumm-Floskel-Betitelte sollten zukünftig härtere Strafen treffen. Jawoll, wie ein gestrenger Vater stellt Ramsauer etwas Gutes in Aussicht, „aber erst räumst du dein Zimmer auf“! Continue reading