Kölner Winter: Zu hart für Cube Bike?!

Die warmen Sonnenstrahlen strahlen, die Menschen draußen strahlen und die aus dem Winterschlaf geholten Bikes strahlen auch. Nur ein trauriger Biker putzt lustlos an seinem vom Winter schmodderig gewordenen Cube Touring CC. Der Grund: Das Lenkkopflager knirscht als hätte es Arthrose im Endstadium.

War der Kölner Winter zu hart für das gerade einmal 9 Monate alte Cube Trekkingrad? Das Rad hat zwar draußen gestanden, in Schnee, Frost und Regen, aber es ist mein Transportmittel der Wahl an beinahe jedem verdammten Tag, bzw. jeder Nacht, auf dem Weg zwischen Arbeit und Schlaf. Recht gewissenhaft gepflegt mit Kettenöl und Lappen, funktioniert alles wie es soll – bis auf das Lenklager.

Ein Anruf beim Radhaus K, wo ich das Rad gekauft habe, überrascht:

Ich so: Mein Lenklager ist verrostet. 

Er so: Bei nem Cube?

Ich so: Ja?! 

Er so: Ja, das kennen wir… 

Offensichtlich gibt es bei den Lagern öfter das Problem, weil zu wenig Fett darin ist. Ich wittere hier zwar keinen Skandal, aber frage mich dennoch, ob es meine Einstellung gegenüber den deutschen Großmarken bestärkt?! Ich habe verschiedene Marken (Scott, Centurion, Simplon, Cannondale)  im Stall, fahre alle Bikes auch bei den fiesesten Bedingungen und bin kein penibler Putzteufel. ABER bei keinem ist je ein Lager trockengelaufen…

Ein klares Dislike für dieses Tech-Problem! Auch von Seiten der Radhändler, denn die haben den Garantiefall, Arbeit mit dem Austausch der schrottreifen Lager und verdienen nichts – bestenfalls etwas für die Kaffeekasse.

Träumen vom Frühling …

clarity bike von designaffairs

clarity bike von designaffairs Foto: designaffairs

Heute entdeckt: Das Clarity Bike!

Es erinnert an die Eiszapfen und gefrorenen Wasser des Winters, aber es ist eine Verheißung des nahenden Frühlings. Ein Rennrad aus hochentwickelten Polymeren, die glasklar, flexibel und stabil zugleich sind. Noch ist das zwar nur der luzide Traum der Entwickler von designaffairs, aber diese geben an, dass ein Produktionsstart geplant ist.

Und weil die Bauteile aus Kunststoff sind, wäre die Herstellung des Clarity Bikes auch noch extrem günstig! Manchmal können Träume wahr werden …

Übrigens: Designaffairs hat noch eine ziemlich gute Idee: Das Sattelschloss.

Kritische Masse – kritische Menschen

Criticalmass-Köln macht sich bereit zum Protest

Critical Mass-Köln macht sich bereit zum Protest

“Für euch gelten wohl keine Regeln?!” schreit eine aufgebrachte Autofahrerin dem Tross von mehr als 70 Radlern hinterher, der am Freitag um kurz nach 18 Uhr über den Hohenzollernring in Köln radelt. Nicht einzeln auf dem Radweg, sie alle fahren en bloc über die rechte Spur vom Ring und nehmen dabei eine beträchtliche Länge  der Straße ein. Zeitweilig erstreckt sich die spontane Radtour durch die Kölner Innenstadt auf fast 200 Meter. Das Beste aber ist: Sie kennen die Regeln – und genau darum dürfen sie als Gruppe auf der Straße fahren, rote Ampeln ignorieren, wenn ein Teil der Gruppe schon das “Lichtzeichen” bei grün passiert hat und Autos am Fahren hindern, weil der Tross lang ist und eben seine Zeit braucht, bis er eine Kreuzung geräumt hat. Genau dann ist das Ziel erreicht: Dem Motor-Verkehr zeigen, dass auch Radfahrer einen legitimen Platz auf der Straße haben. Die Grundlage bietet  §27 der StVO, nach dem eine Gruppe von mindestens 16 Radlern, die eine erkennbar zusammengehörige Gruppe bilden, einen geschlossenen Verband bilden können und die Straße befahren – eben eine kritische Masse.

Köln spurt, motzt und staunt vor allem

Bei der mehr als eine Stunde dauernden Rundfahrt, unter anderem über den Ring, den Eigelstein, Marzellenstraße, Alter Markt, Budengasse, Ehrenstraße, Aachener Straße … blieb es für meine Begriffe und meine Erfahrung mit Kölner Autofahrern erstaunlich ruhig. Einige hupten, wenige motzten laut aus dem Fenster des Wagens, aber die meisten schauten erstaunt zu, was sich da an ihnen vorbei wälzte. Viele allerdings, vor allem Fußgänger und Radler, freuten sich über unsere Aktion. Einige filmten sogar die Masse von verkehrspolitisch kritischen Menschen, die selbstverständlich nach außen eher wie eine übergroße Radtour aussah. Tatsächlich fragten auch einige interessiert WAS wir da machen?! Wir blockieren nicht, wir sind Verkehr! Ein kurzes Video aufgenommen auf dem Hansaring auf Facebook.

Und wer glaubt, dass sich bei so einer urban-hippen Flashmob-Demo nur Fixie-Rider und Styler einfinden, liegt falsch. Da fuhren genauso Trekking-, Stadt-, Klapp- und Mountainbikes mit, Jungs und Mädels, alte und junge. Das alles verabredet über die Facebookseite von Critical Mass Köln. Angeführt von einem älteren Herren mit Lichterkette um den Oberkörper, der sich aber der Kamera des Autors entzog.

Auch bei -3 Grad politisch

Gegen 19 Uhr dezimiert sich die Gruppe, immer wieder biegen Einzelne oder kleine Gruppen ab. Es ist kalt, der Wind frischt stark auf, aber deutlich zu spüren war der Zusammenhalt der Gruppe, wovon sich nur wenige wirklich untereinander kannten. Nicht nur die langsam steif werdenden Beine treiben sie an, sondern auch das Gefühl, zumindest für die Zeit der Rundfahrt ein kleines Stück des Verkehrsraums für sich zurückerobert zu haben. Autos weichen, Fußgänger bleiben stehen und zeitweilig wird es auf den viel befahrenen Straßen Kölns merklich ruhiger, weil nur noch ein paar Fahrradklingeln zu hören sind.

Das nächste Mal wieder am 22. Februar! 

Übrigens waren an diesem Freitag auch Critical Mass-Aktion in Freiburg, London und Miami unterwegs. Check out #criticalmass on Twitter!

Weitere Artikel zum Thema:

Radeln mit Message

Critical Mass – Rückeroberung der Straße

The Bike Book – Nomen est Omen

Cover des Bildbands “The Bike Book”

Draußen ist es kalt, nass und gefühlte 20 Stunden am Tag dunkel. Zeit also weniger das eigene Bike zu bewegen, sondern ihm gedanklich-visuell mal fremdzugehen …!
Attraktive Anreize dazu bietet der in diesem Sommer erschienene Bildband “The Bike Book”. Auf 220 Seiten gehen brillante Fotos richtig in die heißen Details: sexy Streben, sweete Winkel und hotte Modelle! Aber nicht vergessen, wir sprechen immer noch über BIKES.

Allein das Cover des Buches fasst sich samtig an und das abgebildete Moulton Speed (S. 176) weist die ästhetische Richtung des Werkes, die schon der Untertitel verrät: Lifestyle. Passion. Design. Sieben Kapitel bieten einen Überblick über die momentanen Design-Trends im Fahrradgeschäft, besser Cycling. Sehr Kurze Texte geben Hintergrundinfos zum jeweiligen Rad – in Englisch, Deutsch und Französisch. Zwei weitere Zeilen listen die technischen Fakten auf. Es ist – im besten Sinne – ein Bilderbuch für Bike-Liebhaber.

Das erste Kapitel Sport Bikes wird – etwas zu meinem Bedauern – von Rennrädern dominiert. Die gezeigten Rennmaschinen sind allerdings derart scharf, dass ich auch fast meine Vorliebe für die grobstolligen Kollegen vergessen kann. So halte ich doch bei jedem Durchschauen den Atem fast an, wenn ich das Scott Plasma Premium sehe. Ich stelle mir vor, mit diesem Geschoss im Hochsommer eine gerade Landstraße fast lautlos entlang zu jagen und Autofahrer durch meine bloße Geschwindigkeit zu irritieren.

Scott Plasma Premium

Kapitel 2 ist den Urban Bikes gewidmet und weicht ästhetisch von den Rennern insofern ab, dass hier eher sehr rare Produkte und (zumindest mir) unbekannte Bikeschmieden Eingang gefunden haben. Bestes Beispiel ist das Schindelhauer  Ludwig XIV (in der Kollage unter diesem Abschnitt, rechts, groß). Die Magdeburger bauen so elegante Räder mit einem Gates-Riemenantrieb. Schon mal so eines auf der Straße gesehen?! Oder das Icarus, dessen grazile Naben im Bild sind, dessen Stahlrahmen immer nach Kundenwunsch in den USA gefertigt wird, also das absolute Gegenteil von Massenware ist. Und nicht zuletzt Townsend, deren Detail verliebte Lackierung oben in der Kollage zu sehen ist, wo Gregory Townsend selbst schon auf der Homepage aufklärt: “You will not find stock frames or models in any of the bikes I build.”

Kapitel 2 Urban Bikes

Die nächsten beiden Abteilungen beinhalten Utility und e-Bikes, einer der derzeitigen (positiven) Trends weg vom Auto hin zum Cycling für alle Gelegenheiten. Wobei hier natürlich nicht die klassischen und bekannten Bäcker-Radl oder Senioren-Stromer vorgestellt werden. Alle sind außergewöhnlich und – auf ihre Art – sehenswert: Sei es durch neue, durchdachte Konzepte, um Kinder, Hunde, Taschen oder Bierkästen laden zu können oder durch ihr absolut futuristisches Design. Die Idee, e-Bikes nicht mehr als Räder mit Strom, sondern als neue Spezies zu verstehen, wird hier zudem deutlich. Besonders aber bei den brachialen, Gelände tauglichen Vertretern, die die Grenze zum Motorrad berühren, würde wohl keiner mehr sagen “Ich bin mit dem Rad gekommen!”

Auch die Kategorie Accessories kommt vor Weihnachten extrem gut an, da hier schöne, stylische Taschen, Helme und Klamotten vorgestellt werden, die primstens auf die Wunschliste 2012/13 passen. Eine Regenjacke, die aussieht wie ein Sakko, ist saupraktisch.

 

Kapitel 6 Special & Concept Bikes

Mein größtes Interesse hat jedoch das Kapitel für Special & Concept Bikes geweckt, genauer die Bikes aus alternativen Materialien. Viel Holz, verbaut als Rahmen, Anbauteile oder Felgen, das sieht zunächst einmal untypisch und ziemlich cool aus. In zweiter Linie kann dabei etwas für die Umwelt herumkommen, wenn dann Öko-Standards bei Produktion und Entsorgung eingehalten werden. Exemplarisch sei hier das Woodway von Arndt Menke genannt (und gezeigt), das nicht nur absolut clean aussieht, sondern auch aus nachwachsenden Rohstoff, nämlich Kiefer und Esche gebaut ist. Der Rahmen wiegt 2,3 Kilo! Noch mehr Räder werden derzeit aber aus Bambus gezimmert – wohl der NaWaRo-Trend (Nachwachsende Rohstoffe) der nahen Zukunft.

Kapitel 7 Creative Bike Storage

Damit dann auch der gesamte Style-Kosmos des Cyclings ausgeleuchtet ist, schließt dieser fabulöse Bildband mit dem Kapitel Creative Bike Storage. Und hier schlägt mein Do-it-yourself-Herz höher: So viele simple und doch schicke Ideen zum Nachbauen! Die herkömmlichen Wandhalterungen fürs Bike sind mir eigentlich alle zu hässlich, weshalb meine treuen Rädchen immer noch im Keller versammelt sind. Das könnte sich nun mit Tamasine Osher ändern. Die britische Designerin hat im Bike Book ihre Idee eines Fahrradhängeregals vorgestellt. Rad aufhängen, Ersatzteile, Handschuhe etc. reinlegen und Freunde sagen lassen: Das is’ ja ne geile Idee … !

Alles in allem könnte man nach der eingehenden Lektüre des Bike Books gut 30.000€ ausgeben, so viele “Haben will”-Dinge versammeln sich dort. Aber auch ohne die anschließende, große Shoppingtour lohnt es sich absolut diesen Bildband anzuschauen. Denn eines hat man danach auf jeden Fall wieder: Lust das eigene Bike zu bewegen. Vergiss Nebel, Wind und Regen und mache ausgiebige Bewegung am Boden!

Produktinformation:

  • Gebundene Ausgabe: 220 Seiten
  • Verlag: teNeues Verlag GmbH + Co KG; Auflage: 1. (3. August 2012)
  • Sprache: Englisch, Deutsch, Französisch
  • ISBN-10: 3832796053
  • ISBN-13: 978-3832796051
  • Preis: 49,95€

Danke an Henrik und Alex und André, die mir dieses Buch zum Geburtstag geschenkt haben! 

Aus der frühen Periode des Künstlers …

Vor elementerde.de habe ich einige Artikel auf der Online-Publishing-Seite Suite101 veröffentlicht. Abgesehen von der wenig einträglichen Arbeit, ist dies Seite eine schöne Referenz für meine Arbeit, die ich euch hiermit vorstellen möchte.

Im Folgenden drei Artikel die auch zu meinem Blog passen:

Quelle: Covadonga Verlag

Das 2010 auf Deutsch erschienene Buch von Andrew Edwards und Max Leonard bietet einen kurzen Abriss der Geschichte der „Fixies”, also Starrgangrädern mit wunderbaren Bildern. Ich biete in diesem Artikel eine Rezension an, um euch den Mund wässerig zu machen: Für das Buch, Fixies und die Jahrzehnte lange Geschichte hinter dem nun doch fast zu hippen Bike.

Vollständiger Artikel

 

 

Logo der Cycolonia 2011Die Publikumsmesse Cycolonia (Köln)  zeigt jedes Jahr die neusten Entwicklungen rund ums Fahrrad: 2011 stand sie im Zeichen der Rückbesinnung auf das Wesentliche und die fortschreitende Elektrifizierung der Räder. Und auch 2012 war wieder viel Material am Start – aber vor allem E-Bikes.

Vollständiger Artikel

 

 

Dem Biken mit GPS-Geräten habe ich schon hier gehuldigt. In diesem Artikel erkläre ich noch ein paar Einzelheiten. An meiner Begeisterung für diese Art des Abenteuers hat sich aber seitdem nichts geändert. Funktionieren übrigens auch gut, um zu prüfen, ob der neue Tacho die richtige Reifengrößeneinstellung hat und somit die richtige Geschwindigkeit, letztlich die korrekte Entfernung anzeigt.

Vollständiger Artikel

 

Zu guter Letzt kommt noch eine Reportage, die im Juni des Jahres für die Radzeitschrift Aktiv Radfahren geschrieben habe. Ich hatte dafür eine sozial-integrative Werkstatt in Köln besucht. Deren Ziel ist es nicht nur, alte und kaputte Räder wieder auf die Straße zu bringen, sondern auch Drogenkranke von der Straße herunter wieder in ein geordnetes Leben. Und das mit großem Erfolg. Hier kannst du den Artikel als pdf laden: Reportage in der “Aktiv Radfahren” über die Radwerkstatt 180°.

Neulich beim Reifentest

Irgendwo zwischen Köln und Riva del Garda habe ich etwas verloren: Das Profilgummi meiner Schwalbe Nobby Nic liegt fein verteilt auf den Trails und Straßen, und ich freue mich über ein paar brandneue Maxxis ADvantage 2.25 Faltreifen. Mein Reifentest sollte gar nicht so einfach werden: Nach kurzer Strecke am Rhein entlang steckte ich in einer Schafsherde.

Ich so: Kann ich ma’ durch? Schafe so: Nääääh! Näääääääääh! Ich so WTF!?

Ich so: Kann ich mal durch? Schafe so: Näal durch? Die Schafe so: Näääääh, nääh, nääääääh! Ich so: WTF!?

Nach Rücksprache mit dem Hütehund konnte ich meinen Test aber fortsetzen. Insgesamt 45 km sollten für eine erste Ausfahrt mit den ADvantage genügen. Die Strecke: Meist Asphalt, durchsetzt mit Wurzelbuckeln, Passagen durch Rheinsand und -kiesel, sowie festgefahrener Lehmboden mit Müllfeatures und Gras. Der Härtetest waren dann Blätter auf vom Nieselregen feuchten Asphalt.

Continue reading

Neue Rowdyradlerwege für’s Land?!

Der Radl-Traum: Der Radweg ist die die StraßeUnser Mindestverkehrsminister Ramsauer hatte einen tollen Einfall zum Ende der Radlsaison: Deutschland soll seine Radwege ausbauen und fördern. Und alle so YEAH. Aber wir wären nicht im Land der Verzichter und Kränker, wenn der Minister nicht auch den Finger erhoben hätte und die Radfahrer gleichwohl in ihre Schranken gewiesen hätte: Rowdyradler, Radlrambos und sonstige Dumm-Floskel-Betitelte sollten zukünftig härtere Strafen treffen. Jawoll, wie ein gestrenger Vater stellt Ramsauer etwas Gutes in Aussicht, „aber erst räumst du dein Zimmer auf“! Continue reading