Linktipp: TAZ – Kampfradler in Berlin

Ein Fahrradverbotsschild vor unscharfem Hintergrund

Fahrräder verboten – Kampfansage?!

Nur ein kurzer Eintrag heute.

Zum Thema Fahrrad vs. Stadtverkehr hatte ich mich ja schon im Artikel zum Deutzer Ottoplatz ausgelassen. Gestern erschien in der TAZ ein wirklich anregender Artikel zum sogenannten “Kampfradler”. Die einen verweisen darauf, dass Biker nicht kämpfen, sondern lieber die bestehenden Gesetzeslücken beispielsweise für Critical Mass Fahrten nutzen, ansonsten den Ruf der Radler nicht weiter ruinieren sollen. Die anderen -so auch der Autor des TAZ-Artikels – stellt eine ganz andere These auf, die in Richtung des “shared space“-Ansatzes geht: Weg mit den Ampeln – rechts-vor-links für alle! Das entspricht nicht nur der Elementerde-Meinung, sondern auch der täglichen Erfahrung.

Regelverstöße, die Leben retten – TAZ, 30.5.13

Viel Spaß beim Lesen, Auf- und Anregen, beim Biken!

Tatort Ottoplatz

Schilderirrsinn am Ottoplatz

Schilderirrsinn am Ottoplatz

Wenn jemand das Wort “Tatort” gebraucht, denken die meisten wohl zuerst an den Sonntag Abend auf der Couch. In zweiter Linie an die krude Wirklichkeit in dieser Stadt vor dem Wohnzimmerfenster. Aber beide Assoziationen verbindet, dass es sich mehr oder weniger um blutige, tödliche oder lebensgefährliche Geschehnisse dreht. Und das genau zeichnet den Köln-Deutzer Ottoplatz aus, eine seit Wochen vor dem dortigen Bahnhof gelegene Baustelle.
Klar, wenn der ehemals trostlos-hässliche Platz umgestaltet wird, ist mit einigen Unannehmlichkeiten für den Verkehr zu rechnen. Aber was die zuständige Baufirma Schnorpfeil bei der Verkehrsführung durch diesen öffentlichen Raum geleistet hat, ist Lobbyarbeit für den motorisierten Verkehr zum einen. Die Kehrseite ist im rechtlichen Sinne bislang wohl “versuchte Körperverletzung”. Während vier (4!) Spuren einen reibungslosen Autoverkehr sichern, werden Geh- und Radwege gesperrt, zugestellt und an den Rand gedrängt.

Irrgarten in rot-weiß

Verkehrsführung vom  Stadthaus kommend auf der Bahnhofsseite

Verkehrsführung vom Stadthaus kommend auf der Bahnhofsseite

Egal von welcher Seite man als Radler oder Fußgänger den Platz ansteuert, überall enden Wege vor rotweißen Balken oder Gittern, werden größere Umwege in Kauf genommen und vor allem die erhebliche Unfallgefahr zwischen allen Verkehrsteilnehmern. Ich passiere diesen Brennpunkt täglich zwei Mal – zum Glück erst abends, aber selbst da kommt es an verschiedenen Stellen zu Nadelöhren: buchstäblich, denn auf einer Seite verengt sich der Geh- und Radweg auf nicht mal einen Meter!
Ein Zustand, der offenbar viele ärgert, wie eine von mir angestoßene Diskussion auf Facebook zeigt. Zuletzt gab ein Post dort den Anstoß, dass ich mich mit der Stadt Köln in Verbindung setze. Eine Mail an den Bürgerservice, gefolgt von weiteren an den Bezirksbürgermeister Andreas Hupke (Grüne) und Bürgermeisterin Angela Spizig (Grüne). Darin schildere ich ihnen die gefährliche Situation am Ottoplatz und meine Bitte, möglichst schnell eine bessere Verkehrsführung für den nicht-motorisierten Verkehr zu bewerkstelligen.

“Aus eigener Wahrnehmung bekannt”

Verkehrsführung vom Stadthaus kommend auf der Gegenseite

Verkehrsführung vom Stadthaus kommend auf der Gegenseite

Tatsächlich haben sowohl die Bezirksvertretung Innenstadt (für Hupke) als der Referent der BMin Spizig bereits zumindest per Mail geantwortet:

“Ihre Anregungen sind auch bereits im zuständigen Amt angekommen und man hat mir versprochen sich die Situation vor Ort erneut anzusehen und die Baufirmen zu bitten Rücksicht zu nehmen. Ich hoffe die Probleme lassen sich zur allgemeinen Zufriedenheit regeln.”
Christoph Goormann, Büro der Bürgermeisterin Angela Spizig.

“vielen Dank für Ihre Situationsbeschreibung zum Ottoplatz, die ich aus eigener Wahrnehmung bestätigen kann. Ich habe Ihren Hinweis an den Leiter des Amtes für Straßen und Verkehrstechnik weitergeleitet und ihn gebeten darzulegen, wie sich aus seiner Sicht kurzfristig die Situation für Fußgänger und Radfahrer am Ottoplatz verbessern lässt.”
Dr. Regina Börschel, Bezirksvertretung Köln-Innenstadt, stellv. Bezirksbürgermeisterin.

Reaktionen der Passanten

Reaktionen der Passanten

Allein in der Zeit des Fotografierens zeigten sich die Probleme der Fußgänger und Radler: Verwirrung, Verstöße gegen die Verkehrsregeln und – leider nicht auf den Bildern – die Verdrossenheit, den Ottoplatz fast umrunden zu müssen, um zum Deutzer Bahnhof zu kommen. Wir sind also gespannt, was dort unternommen wird, BEVOR der Brennpunkt zum wirklichen Tatort wird; es zu blutigen, wenn nicht tödlichen Unfällen kommt.

Neues dazu hier auf elementerde.de

Kritische Masse – kritische Menschen

Criticalmass-Köln macht sich bereit zum Protest

Critical Mass-Köln macht sich bereit zum Protest

“Für euch gelten wohl keine Regeln?!” schreit eine aufgebrachte Autofahrerin dem Tross von mehr als 70 Radlern hinterher, der am Freitag um kurz nach 18 Uhr über den Hohenzollernring in Köln radelt. Nicht einzeln auf dem Radweg, sie alle fahren en bloc über die rechte Spur vom Ring und nehmen dabei eine beträchtliche Länge  der Straße ein. Zeitweilig erstreckt sich die spontane Radtour durch die Kölner Innenstadt auf fast 200 Meter. Das Beste aber ist: Sie kennen die Regeln – und genau darum dürfen sie als Gruppe auf der Straße fahren, rote Ampeln ignorieren, wenn ein Teil der Gruppe schon das “Lichtzeichen” bei grün passiert hat und Autos am Fahren hindern, weil der Tross lang ist und eben seine Zeit braucht, bis er eine Kreuzung geräumt hat. Genau dann ist das Ziel erreicht: Dem Motor-Verkehr zeigen, dass auch Radfahrer einen legitimen Platz auf der Straße haben. Die Grundlage bietet  §27 der StVO, nach dem eine Gruppe von mindestens 16 Radlern, die eine erkennbar zusammengehörige Gruppe bilden, einen geschlossenen Verband bilden können und die Straße befahren – eben eine kritische Masse.

Köln spurt, motzt und staunt vor allem

Bei der mehr als eine Stunde dauernden Rundfahrt, unter anderem über den Ring, den Eigelstein, Marzellenstraße, Alter Markt, Budengasse, Ehrenstraße, Aachener Straße … blieb es für meine Begriffe und meine Erfahrung mit Kölner Autofahrern erstaunlich ruhig. Einige hupten, wenige motzten laut aus dem Fenster des Wagens, aber die meisten schauten erstaunt zu, was sich da an ihnen vorbei wälzte. Viele allerdings, vor allem Fußgänger und Radler, freuten sich über unsere Aktion. Einige filmten sogar die Masse von verkehrspolitisch kritischen Menschen, die selbstverständlich nach außen eher wie eine übergroße Radtour aussah. Tatsächlich fragten auch einige interessiert WAS wir da machen?! Wir blockieren nicht, wir sind Verkehr! Ein kurzes Video aufgenommen auf dem Hansaring auf Facebook.

Und wer glaubt, dass sich bei so einer urban-hippen Flashmob-Demo nur Fixie-Rider und Styler einfinden, liegt falsch. Da fuhren genauso Trekking-, Stadt-, Klapp- und Mountainbikes mit, Jungs und Mädels, alte und junge. Das alles verabredet über die Facebookseite von Critical Mass Köln. Angeführt von einem älteren Herren mit Lichterkette um den Oberkörper, der sich aber der Kamera des Autors entzog.

Auch bei -3 Grad politisch

Gegen 19 Uhr dezimiert sich die Gruppe, immer wieder biegen Einzelne oder kleine Gruppen ab. Es ist kalt, der Wind frischt stark auf, aber deutlich zu spüren war der Zusammenhalt der Gruppe, wovon sich nur wenige wirklich untereinander kannten. Nicht nur die langsam steif werdenden Beine treiben sie an, sondern auch das Gefühl, zumindest für die Zeit der Rundfahrt ein kleines Stück des Verkehrsraums für sich zurückerobert zu haben. Autos weichen, Fußgänger bleiben stehen und zeitweilig wird es auf den viel befahrenen Straßen Kölns merklich ruhiger, weil nur noch ein paar Fahrradklingeln zu hören sind.

Das nächste Mal wieder am 22. Februar! 

Übrigens waren an diesem Freitag auch Critical Mass-Aktion in Freiburg, London und Miami unterwegs. Check out #criticalmass on Twitter!

Weitere Artikel zum Thema:

Radeln mit Message

Critical Mass – Rückeroberung der Straße

Radeln mit Message – Critical Mass Köln reitet wieder

Critical Mass Kölnreitet wieder

Critical Mass Köln reitet wieder – Quelle Malte v. Stein

Ein neues Jahr, neuer Kampf … auf Kölns Straßen herrscht leider immer noch Krach und Kaos, wenn es um das Radfahren geht. Zugeparkte, zugestellte, aufgerissene, schlechte Radwege und frustrierte, aggressive, dumme und gefährliche Autofahrer machen uns das Leben schwer.

Erobern wir die Stadt zurück! Rotten wir uns zusammen und zeigen, dass Radfahrer eine kritische Masse sein können, Teil des öffentlcihen Raums

sind und die gleichen verdammten Rechte haben wie alle anderen auch! Die Critical Mass Köln trifft sich am 25. Januar um 17:30 Uhr am Rudolfplatz … und macht es dem motorisierten Verkehr schwer.

Was “Critical Mass” ist, erfahrt ihr hier. Wir sehen uns beim Radeln mit Message, bei politischer Bewegung am Boden.

Neue Rowdyradlerwege für’s Land?!

Der Radl-Traum: Der Radweg ist die die StraßeUnser Mindestverkehrsminister Ramsauer hatte einen tollen Einfall zum Ende der Radlsaison: Deutschland soll seine Radwege ausbauen und fördern. Und alle so YEAH. Aber wir wären nicht im Land der Verzichter und Kränker, wenn der Minister nicht auch den Finger erhoben hätte und die Radfahrer gleichwohl in ihre Schranken gewiesen hätte: Rowdyradler, Radlrambos und sonstige Dumm-Floskel-Betitelte sollten zukünftig härtere Strafen treffen. Jawoll, wie ein gestrenger Vater stellt Ramsauer etwas Gutes in Aussicht, „aber erst räumst du dein Zimmer auf“! Continue reading