Vitus 979 – Pioniergeist der 80er

Ein echtes Vitus 979 Duralinox vor unechtem Franz Marc

Ein echtes Vitus 979 Duralinox vor unechtem Franz Marc

Ich war sehr unvernünftig und habe ein neues, altes Rennrad gekauft … einfach so. Weil ich ihm angesehen habe, dass es eine Besonderheit, eine Rarität, kurz: ein Klassiker ist.

Ich schlendere also über den Gebrauchtfahrradmarkt an den Köln Arkaden, will nur mal ganz beiläufig schauen, was da so gibt. Und dann sehe ich plötzlich bei Herrn Heckmann ein schwarz-silbernes Rad stehen. Schon als ich zielsicher darauf zusteuere, kommt er gelaufen. Wir kommen ins Gespräch und … völlig Impuls gesteuert, sitze ich auf einem Vitus 979 Rennrad, dessen neuer Besitzer ich auch rein rechtlich bin.

Dass das Rädchen ein Schatz war, hatte ich gleich im Gefühl, als ich die ungewöhnliche Rahmen- und Gabelbauweise sehe. Aber nach einer nachgeordneten Recherche darf ich hier nun ein kleines aber schönes Kapitel des Radrennsports präsentieren – frisch geputzt und voll funktionstüchtig.

8,9 Kilo schon in den 80ern

Dieses wunderbare Exemplar der Rahmenschmiede Vitus, die es noch heute gibt, datiert vermutlich ins Jahr 1985 zurück. Das verrät zumindest die hinteren Bremsen durch eine kleine Prägung. Die Produktlinie dieser Vitus-Rahmen wurde aber schon etwas früher vorgestellt. Und das war revolutionär! Die Firma “Bador” aus Saint-Etienne in Frankreich, die hinter der Marke Vitus stand, hatte als eine der ersten dünne Rohre aus Alu-Magnesium-Legierung gemufft, verklebt und in fünf Farben (schwarz, blau, silber, rot, grau) angeboten, “Duralinox” genannt. Damit war das Vitus unter den ersten Rädern, die den bis dahin dominanten Stahlrahmen Konkurrenz machte – 30% leichter und, durch die größere Flexibilität des Alus, auch komfortabler. Ausgestattet mit einer Shimano 600 und dem damals unerhört niedrigen Gewicht von 8,9 Kilo trat das Vitus 979 auch bei zahllosen Profirennen an: Sean Kelly absolvierte darauf mehrmals die Tour de France.

Vitus auch bei Karbon ganz vorne

Bei ihrer zukunftsweisenden Bauweise mit Alurohren erstaunt es nicht, dass Vitus schon 1982 als Weiterentwicklung des 979er-Rahmen eine Karbon-Version baute. Auch hier waren sie eine der ersten Firmen, die so etwas konnten. Dabei hatten sie in den 70ern angefangen als Zulieferer von Rahmenrohren für die Großen wie Peugot, Motobecane und Gitane. 1991 dann präsentierten die Franzosen mit dem ZX1 ihren ersten Monocoque-Karbonrahmen vor. Bis auf die teils schrille Farbgebung, finde ich, immer noch von futuristischer Schönheit.
Heute gibt es die Marke Vitus immer noch. Nach eigenen Angaben nun statt in Frankreich in Irland beheimatet, werden die Bikes exklusiv über den Online-Handel Chainreactioncycles vertrieben. Auch eine Facebook-Seite mit mäßig vielen “Gefällt-mir”s informiert über die aktuelle (eher mittelmäßige) Fahrrad-Palette.

Mein ganz persönliches Vitus 979 wurde im Übrigen damals vom Kölner Radsportladen “Schlösser” in Buchforst vertrieben. Es trägt darum den kleinen Aufkleber auf der rechten Kettenstrebe (s. Fotos) – die typische Vitus-Beschriftung fehlt allerdings fast ganz. Nun aber zum bunten Bilderreigen meines neuen Vintagebikes.

 

Interessante Links zur Vitus sind:

– ein privater Blog, der sich auch Vitus-Rädern widmet,

– das Bicycle Info Project, das hier eine alte Broschüre von Vitus eingescannt hat.